Liebes Tagebuch, nach etwas längerer Absenz hat mich dieses Fest bewogen, dir mal wieder einen Eintrag zu gönnen:
Legendäre Momente verdienen Ihre entsprechende Beachtung -
Wie bei jedem noch so schönen Fest steht am Anfang das Beladen des Busses. An sich nichts erwähnenswertes, WENN da am Rande nicht die eine oder andere Feinheit zu sichten gewesen wäre. “Dreynschlag der Tourbus“ ist ja eine wundervolle Errungenschaft. Ich habe mir sagen lassen, das Packen des selbigen sei jedoch mit einer gewissen Systematik basierend auf Gewichtsverteilung, Rutschgefahr, Mondphase und Klimaerwärmung etc. verbunden. Glaub mir, ich zweifle immer noch an der sinnvollen Verwendung des Begriffes „Systematik“ in diesem Zusammenhang. Dazu bedarf es anscheinend eines Talentwertes „Packen“ von mindestens 10, wenn man diese Allegorie heranziehen möchte, und des Eintrages „spielt Tetris fehlerlos- mit verbundenen Augen“ im Lebenslauf.
Wenn hier nun ein durchaus sympathischer Chaot mit Hang zum Perfektionismus und ein prinzipiell liebenswerter Techniker mit der Neigung zur systemischen Überanalyse aufeinander treffen, kann das schon interessante Momentaufnahmen menschlicher Interaktion bieten.
Liebes Tagebuch wie schön dass es den sozialen Druck der Gesellschaft und das Strafrecht gibt. Ich bin mir nicht sicher, ob sonst Meldungen wie „des muaß do umme wonnst mi frogst“ oder „i tatat des ondersrum eine“, welche dem im heißen Laderaum Schlichtenden vom passiv zusehenden Part zugeworfen wurden, nicht doch zu einem Amoklauf unter Verwendung aller in Reichweite herumliegenden Waffen geführt hätte. Aber wofür hat man einen Obmann, der Oli-garchisch eingreifend mit den simplen Worten „Schnaki, do umme, Zeug holen“ schlichten kann.
Zurück nach Rabenstein!
Nachdem Dreynschlag - basierend auf heimlichen Unterwanderungsplänen und als Folge überschwänglichen Schwärmens von diesem Fest - immer mehr Mitfahrwillige anzieht, fahren wir diesmal mit 10 (in Worten: Zehn!) Gästen aufs Lager.
Randnotiz an Brain: nachdem sich die Gäste aus einem Pool von bereits 5 Gruppen rekrutieren, die alle unbedingt dem Fest beiwohnen wollen, steht den expansiven Weltherrschaftsplänen zur Übernahme deutscher Feste nichts mehr im Wege
Jeder ist uns lieb und teuer – jedoch: wohin mit der Menschenmasse und den Zelten?
Dank Dominik dem Feuersäufer und dem Rest des Veranstaltungsteams, welches uns aus mir persönlich unerklärlichen Gründen wohl gesonnen ist und sich sogar über einen Besuch unsererseits freut *kopfschüttel*, wurde uns großzügigerweise doppelt so viel Platz wie bisher angeboten. Nun hieß es ausladen und Lager aufstellen. Entgegen einiger laufender Wetten der bereits anwesenden befreundeten Gruppen und der Orga geschah dies bereits kurz VOR Mitternacht.
Unter dem Flutlicht der im Kreis aufgestellten Autos und dank vieler helfender Hände ergoss sich der Inhalt des Transporters in einen entropischen Haufen mitten auf der Wiese. Auch “Moby-Tent“, das große neue Doppelkegel-Zeltungetüm (9x4 m Wohnfläche) erblickte zum ersten Mal das Licht der Autoscheinwerfer. Das Staunen ob seiner Dimensionen verbreitet sich wie die Bugwelle seines Namenpatrons. Nachdem die größte Zeltstadt in der Dreyngeschichte aufgebaut war, waren alle überrascht, dass Dreynschlag und Friends noch vor 2 Uhr morgens fertig waren und zu Bett gingen.
Liebes Tagebuch, Weitblick kam trotz Aufblendlicht der Autos bei den Dreynschlägern nicht auf. Höflicherweise verzichteten diese zwecks Lärm- und Geruchsbelästigung auf laufende Motoren - allerdings: Xenonscheinwerfer und Autobatterien verbindet aber nur eine kurze gemeinsame Lebensdauer, und zwei Autos forderten am nächsten Tag den Einsatz des ADAC, um sie aus eigener Kraft vom Platz zu kriegen.
Die Tage und Auftritte nahmen ihren gewohnten Lauf und brachten wie immer tolle Stimmung und schöne Momente mit Freunden und Publikum.
Apropos Freunde: Keitel, der Gewinner des Contests „unwürdigstes Outfit am Dreyngeburtstag 2008“ bekam natürlich endlich seinen lang ersehnten Preis in Form eines unwürdigen Hörnerhelmes. Diesen nahm er stilgerecht mit 3 weiteren Mitgliedern der Fjoelskylda in gröbst illuminiertem Zustand entgegen und trug nebst Krawatte und schwarzem Umhang ein nicht minder schlimmes Gromioutfit Marke „Phantom der Oper beim Fetischtreff“. Ein dem Anlass entsprechender stilechter Ausklang für den Samstag war damit garantiert.
Schön zu beobachten war der enthusiastische Wetteifer, dem sich unsere weiblichen Gäste hingaben, um beim von der Kompanie St. Barbara dargestellten gerichtlichen Zweikampf das zuvor geschändete Opfer zu spielen, welches am Ende gemeinsam mit dem Verlierer hingerichtet wurde.
Die “Barbapapas“ bekamen bei Nebenrollen natürlich jede nur gewünschte Unterstützung, und so mancher Bühnenneuling ging in seiner klagend jammernden bis hysterisch weinenden Rolle so auf, dass man von der Vorführung in einem Moment schon fast nichts mehr mitbekam, und sogar Oli, der alte Routinier, fiel, von den Heultiraden abgelenkt, fast aus der Rolle des Richters und starrte wie alle Beteiligten grinsend und völlig entgeistert auf das von Alex verkörperte Häufchen plärrendes Elend. Na ja, am Ende verlor sie ihren Kopf und Ruhe war.
Liebes Tagebuch was haben ein Specht, ein kanadischer Holzfäller und der Tunguskavorfall gemeinsam?
Ganz einfach, alle drei haben, bezogen auf Ursache und Wirkung, weniger Holzabraum als Hans Heim an einem Tag. Von Früh (und damit mein ich so ca. 7 Uhr früh) hackt er fast pausenlos Holz, als wolle er alle an der Schlacht von Trafalgar teilnehmenden Schiffe nachbauen. Abgesehen von einem Plus im Miteilungsheft für besonders hilfreiches Verhalten im Lager hat er sich ob seines stundenlangen Mühens damit auch das alleinige Recht erworben, in einem historischen Lager ganztägig nur mit Strohhut Hemd und Bruche herumzulaufen.
Etwas irritierender war dagegen die Idee eines weiblichen Gastes, die nicht minder fleißig Nachschub vom Holzplatz holen ging: Diese meinte, ein fast nackter Oberkörper gehöre zu dieser Tätigkeit, und schon glitt sie aus dem Unterhemd und wogte mit minder gezügelter Üppigkeit über den Markt. Man(n) ignorierte es höflich und ging zur Tagesordnung über.
Besagtes Mädel - anscheinend überrascht ob dieser ungewohnt biederen Reaktion seitens der versammelten Mannschaft des Marktes - wusste dies jedoch zu toppen: Am letzten Abend - von spontaner innerer Unruhe übermannt - wälzte sie sich ausdauernd und hingebungsvoll, mit einem weiteren weiblichen Gast unseres Lagers in frivoles Liebespiel vertieft, am Lagerfeuer. Man konnte oder wollte ob der leidenschaftlich verschlungenen Verknotung der beiden nicht mehr feststellen, wessen Hand nun zu wem gehörte und wo genau diese nun waren, aber egal, ist der Ruf erst mal ruiniert lebt es sich bekanntlich ungeniert. Gott straft kleine Sünden aber bekanntlich sofort und gerade als wir von den verblüfften Nachbarlagern Eintrittsgeld und Sabberzulage lukrieren wollten, sprang der Funke nicht nur bei den beiden Mädels über, sondern auch vom Feuer zu einem Kleid einer der beteiligten Amourartistinnen.
Nach einer gelungenen Löschaktion war diese Gott sei Dank noch heil, nur ihr neu genähtes Kleid und Unterhemd waren ein Raub der Flammen geworden. Bis heute gibt es Diskussionen, ob es das Feuer oder die Hitze im Unterleib war, die sie entflammte, aber wir bekommen sicher noch Gelegenheit, dies bei zukünftigen Besuchen ihrerseits empirisch zu beobachten – Dreynschlag besitzt jetzt übrigens sicherheitshalber einen zusätzlichen Feuerlöscher.
Liebes Tagebuch ich sage nur eines “Bauer Jockel“ *seufz*
Diese mehr oder weniger frenetisch bewunderte bis nervende Kunstfigur, die als Synonym den ultimativen Agrarökonomen verkörpert und vorzugsweise vom trainiertesten aller Dreynschläger C.H. dargestellt wird, erlebte heuer den Aufstieg zur Kultfigur.
Es begann damit, dass angesichts der positiven Publikumsresonanz Merchandisingartikel angedacht wurden, die entsprechend Bauer Jockels stahlharter Anatomie sicher ein Renner wären. Da wäre zum einen der Bauer Jockel Nussknacker in Form zweier stiefelbewährter Stiele, die in einem verchromten Gesäß enden, welches Nüsse jeglicher Größe aufnehmen kann. Da B.J. ja bekanntlich mit seinem Gluteus Maximus jede Nuss zum bersten bringen kann, wäre das ein ideales Weihnachtsgeschenk für den weiblichen Fan.
B.J. ist wohl der einzige, der sich den ultimativen Coolnessthron mit Chuck Norris teilen darf, denn bekanntlich:
Sät B.J. nicht, sondern schickt dem Lagerhaus die GPS-Koordinaten seiner Felder als Lieferadresse für sein Saatgut und gebietet dann den Körnern, sich auf Zuruf zu entfalten.
B. J. erntet natürlich auch nicht, sondern verteilt Gutscheine zum Selberpflücken an Groupies
B.J. melkt auch keine seiner Kühe, sie werden von seinen Hühnern gemolken, und diese legen als Gegenleistung deren Eier bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich harakiri-gleich selbst filetieren.
Es ist egal, womit B.J. seine Felder düngt, denn verglichen mit ihm ist sowieso alles Sch…
Etc..
Aus diesem Grund wurde am Sonntag zu seinen Ehren von den gesamten Dreynschlägern und allen Gästen der Umzug durch die Zeit im B.J.-Outfit (Bruche, Hemd oder Unterkleid dazu Strohhut und ein Agrarmordwerkzeug) bestritten. Angeführt vom heurigen B.J. Vertreter, dem Blumen gestreut wurden, während ihm frisches Obst aus dem Dekollete der Jungfrauen angeboten wurde, fielen 15 halbnackte Darsteller sowieso kaum auf.
Enzi, der in dieses Vorhaben nicht eingeweiht war, begann angesichts der zunehmenden Anzahl an Personen in Unterwäsche im Lager zu kochen, da er jegliche Versuche, eine authentische Bekleidung im Lager zu gewährleisten, unterminiert sah. Die Vermutung, dass dies ein gewünschter Nebeneffekt des Umzugs war, lag auf der Hand, sein Groll löste sich aber angesichts der kollektiven Akzeptanz gegenüber Dreynschlags Brachialhumor und angesichts des allgemeinen Gelächters in Nichts auf. Spätestens als sogar der Herold anlässlich der Prozession seinen Ansagetext vor dem gesamten Publikum entsprechend änderte und B.J und seine Anhängerschaft offiziell präsentierte, hörte man die ersten B-J Fanrufe aus dem Publikum von Klein und Groß.
Rabenstein 2009 - nach 6 Jahren immer noch unser Stimmungshighlight der Saison!
Liebes Tagebuch ich möchte hier gerne eine neue Rubrik einführen die sich da nennt:
„Neues aus der Führerkabine“.
Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen und weiterhin politisch korrekt zu bleiben, es handelt sich hierbei nicht um die private Umziehmöglichkeit eines oberösterreichischen Postkartenmalers in einem öffentlichen Freibad am Inn. Vielmehr ist die Führerkabine logischerweise der Teil des Dreynbusses, an dem der Lenker und zwei weitere Dreynschläger auf langen Autofahrten ungehemmt die Tiefen Ihres Shitcorners1 erkunden.
1Der Teil des Hirnes der vermeintlich ungenutzt brach liegt, aber in Wirklichkeit zum Speichern von nutzlosem Wissen dient. Der Quell von Wortwitzen und spontanen Reimen etc., auf den nur wenige Leute Zugriff haben, jedoch leider der Großteil der Dreynschlagmitglieder.
RUBRIK NadFk!
Ob all dieses Aufwands (packen, schleppen, aufbauen, lange Fahrten….) stellt sich die Frage, ob man in der Drittdarstellung nicht eine Zeit und eine Tätigkeit wählt, die Geselligkeit, historische Darstellung und Aufenthalt im Freien ebenfalls unterstützt, aber wesentlich bequemer ist. Nun, die naheliegendste Lösung war schnell geboren: “Reenactment einer russischen SS-20 Bereitschaftsbesatzung“. Man baue sich lediglich eine schaukampftaugliche Langstreckenrakete Marke kalter Krieg (also einfach einen Hartgummiblunt von 1 cm Durchmesser auf die Spitze, dann kann ja bekanntlich nix passieren), beschäftige sich intensiv mit Uniform- und Kostümkunde sowie Verhalten der strategischen Streitkräfte der ehemaligen UdSSR, um notfalls dem interessierten Gästebucheintragenden Rede und Antwort stehen zu können. Klingt herausfordernd, ist aber wie immer machbar.
Dies ermöglicht einem…
… den legitimen Konsum von Wodka, Flugbenzin und Kühlflüssigkeit in
einem beliebigen Mischungsverhältnis im Rahmen der Darstellung
…dem Frönen der Uniformität, das dem neidischen Hickhack von „ich trage das schönere
Wams“ ein Ende setzt
…der legitimen Forderung nach Gagen trotz Nichtanwesenheit am Gelände (sprich: man kann Zuhause bleiben) durch historisch korrektes Bedrohen aus der Ferne
…dank des Einsatzes von bluntgesicherten Mehrfachsprengköpfen mehre Gagen trotz nur eines Auftrittes im heimischen Garten von verschiedenen
Veranstaltern zu kassieren
Einziger Nachteil: die Lieferung von polnischen Händlern dauert dann nicht mehr die gewohnten 12 Monate, sondern wird wahrscheinlich gar nicht mehr stattfinden.