Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
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Auftritte 2009

Rabenstein 1

Und er verletzt sich doch

Rabenstein in der fränkischen Schweiz – seit 2004 zieht es uns bis zu zwei mal pro Jahr hier her, und wir kommen gerne, weil es uns hier gefällt und wir die Leute mögen – und die uns eigenartiger Weise auch.

Und auch dieses Mal hatten wir einige liebe Gäste bei uns im Lager – Hans von Ochs (ein Arbeitstier allererster Güte und ein mehr als nur würdiger Ghulersatz beim letzten Auftritt ;-)), die Purger ze Innsbruckch (in ihrer Zweitdarstellung, Hut ab, manche haben nach so kurzer Zeit noch nicht mal eine Darstellung halbwegs auf der Reihe) und Petz von der Turba Ferox, die sich bei uns nun mit diesem Bericht aus Gästinnensicht bedankt:

Donnerstag, es regnet in Strömen, die Bundhaube hält.

Trotz Wetterkapriolen wie es sie eigentlich sonst nur im April gibt, ist die Laune gut,  aber dafür sind die Füße nass und kalt. Die Auftritte werden dem Wetter angepasst und man versucht verzweifelt, sich zu mehrt unter das „Sonnensegel“ zu quetschen  -   immer die Windrichtung unter Beobachtung, um nicht vom eingewehten Regen erwischt zu werden. Jeglicher Spaziergang oder Umzug durchs Lager wird zur Rutschpartie, aber was soll’s, da muss Mann/Frau durch.
Die Besucher halten sich in Grenzen, dennoch ist  einigen das Wetter wurscht, weil es zum einen – wie wir von Eingeborenen hinter vorgehaltener Hand erfahren – kein Wetter gibt, das einen Deutschen von seiner bereits erstellten Planung für den Feiertag abbringt, und zum zweiten weil es ja bekanntlich überhaupt kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung (sag das mal denen, die in „A“ Gewandung dort stehen und versuchen, die Skiunterwäsche nicht durchblitzen zu lassen). Enzis Versuch, seine Haube in den kurzen Sonnenpausen zu trocknen, scheitert massiv an seiner Reaktionszeit sobald die ersten Regentropfen niederprasseln.
Die Lagerorga versucht die Stimmung durch stündliche Wetterberichte aufzuhellen und wir versuchen uns in der Taktik des "Trinken wärmt", was aufgrund von 50 Kilo Trockeneis in der Dreyn-Truhe auch nicht funktioniert - wir haben sämtliche Getränke in Sorbet-Form gelöffelt.
Was am sonst gut bestückten Markt fehlt ist ein Händler, der Trippen verkauft – ein solcher hätte sich heute blöd verdient. Des Abends werden wir von einem kurzfristigen Lagergast mit selbst erlegtem bzw. genauer gesagt selbst totgefahrenem Rehgulasch verwöhnt (?) – naja, wer’s mag … die Dreynherren der Schöpfung langen jedenfalls hemmungslos zu. Als weitere Abendgestaltung frieren wir noch ein wenig im Takt.

Freitag, es stürmt, die Bundhaube hält noch immer sofern sie von Donnerstag schon getrocknet ist

Langsam aber sicher kann man sich wieder ohne Trippen (so man solche besitzt) über die Wiese  wagen, wir sind ja Optimisten, schlimmer als am Donnerstag kann’s ja nicht werden. Die Stimmung wird eindeutig heiterer und die Bewerbe zum Wortwitz des Tages nehmen ungeahnte Dimensionen an, hätte ich nicht ein Hirn wie ein Nudelsieb, ich würde ein paar Highlights niederschreiben – erwähnt sein sollen nur Ghuls Geniestreiche „Ist ein Biber eigentlich ein Dammwild?“ und seine Namensgebung „Rosenbast und Eugenstern“ für unsere schrecklichen Zwillinge.
Der Umzug sowie auch die Auftritte können wieder in vollem Umfang ausgeführt werden. Hm, da war doch noch was wegen der geplanten Caipiparty, also wenn am Abend immer noch alle warme Füße haben, kann man ja darüber reden. Juchhu, die Feuershow kann stattfinden. Wir freuen uns alle darauf. Das Essen ist wie immer zeitgleich mit der Feuershow fertig, also rennen wir alle mit unseren Käsespätzle wie die Irren zum Kampfplatz in der Hoffnung noch einen Platz zu erwischen. Super, wir dürfen uns auf den Boden setzen, der es leider unter Tags nicht ganz geschafft hat, trocken zu werden. Aber was soll’s, da muss Mann/Frau durch.
Zu später Stunde und einige verdammt schlechte Wortwitze später kommt die Idee auf, durch die Lager Getränke schnorren zu gehen, aber nur einfach so kann das nicht sein, wir lassen uns was einfallen … hm, Laternen, ok, das Kreuz … genau, wir gehen Sternsingen, nur: Wer macht den Mohr? Lieder werden umgedichtet, Ghul wird genötigt, sich Asche aufs Haupt zu streuen, nein Russ ins Gesicht zu schmieren und auf geht’s. Einige Lager werden mit Versen a la „Ich bin der König Balthasar und hab am Sack kein grades Haar“ sowie dem frisch einstudierten „Lustmord im Erdölgebiet zu Niederdonau“ … hm, sagen wir beglückt. Kein weiterer Kommentar dazu, ein Bild dazu gibt es und das sagt eh schon tausend Worte.
Der Himmel ist klar, oh wie schön, man kann so viele Sterne sehen, so ein Sch… es ist Arsch kalt. Das Bier ist übrigens immer noch gefroren. Wir sind nur nicht sicher, ob es ausschließlich am Trockeneis liegt.

Samstag, die Sonne brennt, im Zelt ist es kaum auszuhalten, der Sonnenhut hält

Nach durchgefrorener Nacht, und nächtlichen Toilettesprints statt Toilettegängen (um die Körpertemperatur wieder etwas auf gleich zu bekommen) erhalten wir die Bestätigung - es hatte gemessene 5° in der Nacht gehabt ... das hätte ich schon vorher sagen können, nachdem sich bei jedem Atemzug meine Brille beschlagen hat, als ich noch versuchte vorm Schlafen zu lesen, aber was soll’s, da muss Mann/Frau durch *seufz*. Und was jetzt - um 9:00 ist es im Zelt nicht mehr auszuhalten, ein Dampfbad ist ein Sch… dagegen. Also schnell den Schlüssel zu Rhiannons Hotelzimmer geborgt und einmal eine wohlverdiente zivilisierte Dusche genießen. Halleluja, endlich wieder halbwegs zivilisiert.
Der Umzug und los geht’s. Bei dem vom Herold immer so schön erwähnten „Zug durch die Zeit“ können wir natürlich nicht anders und ein verhaltenes „tschagga tschagga Bummelzug“ mit der dazu passenden Ameisenreihe tut ihr übriges dazu, dass man uns wieder mal für völlig plemplem erklärt … für was man Stangenwaffen alles verwenden kann. Spontaneität ist bekanntlich großgeschrieben, daher hatten wir beim Heimmarsch sogar noch einen klingelnden Schranken aus Nürnberg 1380. Und dann, ja dann, die Lagerorga hat eine Idee und wir steigen natürlich blödsinniger Weise drauf ein *gg* - wir mischen die Wikis auf, hehe, mit Hilfe der Fechterer und musikalischer Untermalung von Rhiannon wurde der Wiki Schildwall mit unseren Stangenwaffen geprüft und für unwürdig befunden (Details bitte bei den Beteiligten oder auf youtube).
Das Highlight des Tages - die Caipirinhaparty - findet endlich statt. Enzi lässt es sich nicht nehmen, den Barkeeper zu spielen (er hat es später bereut), die Nachfrage war groß, das Sonnensegel zu klein, dennoch war es mehr als lustig und wird sicher wiederholt werden, obwohl ich ja mehr für Strawberry Daiquiri bin, aber mich fragt ja keiner. Fast hätte es mit den Cocktails nicht geklappt, der Vodka war ebenfalls eingefroren! Das Bier ist noch immer nicht aufgetaut.

Sonntag, die Sonne brennt noch immer, eigentlich gut, aber irgendwie pfuh, schon ziemlich heiß

Langsam aber doch packen Judith und ich schon zusammen, müssen wir ja (mit dem Ghul im Gepäck) früher fahren als die anderen, daher ein kurzer Beitrag zum Sonntag. Erwähnenswert waren am Sonntag nur noch zwei Dinge: Zum einen, dass wir dadurch geweckt wurden, dass Hans aus seinem Zelt stürzt und ihm ein fliegender Buckler und die Worte "Wenn ihr schon nicht zum Morgensport taugt, dann macht gefälligst Frühstück“ nachfolgen (was ich hier sonst unkommentiert lassen möchte); und zum zweiten dass wir an der Umwandlung eines testosterongestärkten frühmittelalterlichen Wikis in ein zerbrechliches spätmittelalterliches Frauenzimmer tatkräftig mithelfen konnten … (Details ebenfalls auf youtube)

Alles in Allem, ein gelungenes Fest, man lässt sich vom Wetter doch nicht die Laune vermiesen und nächstes Mal den wirklich guten Schafsack mitnehmen!

Ich bedaure nur, das geheime Highlight nur mehr vom Hörensagen erfahren zu haben: Enzi schaffte es doch glatt noch in der Nacht von Sonntag auf Montag, sich im Schlaf zu verletzen …

Petz

Zum Abschluss noch ein paar bewegende Eindrücke:

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