diese Bestellung versetzte sogar den eh schon hart geprüften Kellner im „La Tartiflette“ beim alljährlichen Käsemassaker in Erstaunen. Jedenfalls sollte das nicht das letzte „Missverständnis“ beim Essen werden.
Aber beginnen wir von vorne, ich erspare euch die Mühsal der Anreise und den Umstand, dass ich das Ausscheiden von Chelsea durch den Ausgleich von Barca in der 93. Minute auf einer Schweizer Tankstelle miterleben musste. Beginnen wir also unsere Erzählung in Dijon und wieder einmal im ach so innig gehassten B+B-Hotel, in dem wir um 3 Uhr morgens ankamen. Wieder einmal öffnete uns der extrem motivierte Nachtportier, der sich im übrigen seit nunmehr 5 Jahren beharrlich weigert auch nur ein bisschen Englisch zu lernen. Nach weitern 40 Minuten an der so genannten Rezeption, wo er uns nur widerwillig eine Rechnung für das Frühstück ausstellte, wurden wir dann endlich aufs Zimmer entlassen.
Fabrice, der Veranstalter dieses ansonsten ganz hervorragenden Events, hat Wort gehalten und gab Enzi und mir zwei ganz hervorragende Zimmer und so verpuffte der Frust über die wie schon gewohnte unprofessionelle Einstellung des Portiers recht rasch. Runde 3,5 Stunden später jedenfalls wurden wir recht unsanft durch einen fehlerhaften Feueralarm geweckt, weil die neue Frühstücks“köchin“ den Speck anbrennen ließ. Nun gut, dachte ich mir, genug geschlafen, ab in die Dusche und dann zum Frühstück. In der Dusche die nächste Überraschung, kein warmes Wasser. *Argl* entkam es meinen Lippen und ich duschte halt kalt, Hauptsache mal duschen. Ausreichend erfrischt und nach 5 Minuten doch noch mit warmem Wasser beliefert ging’s zum so genannten Frühstück. Wässriger Kaffee, Obstsalat aus der Dose, guten Baguettes und Croissants, Butter, Marmelade und sogar Eier und Schinken/Speck (man erinnere sich an den Feueralarm) waren noch da, es sollte das letzte Mal an diesem Wochenende sein, dass wir das vorfanden.
Mit Freuden entdeckte ich auch kurz danach - der erste am Morgen zu sein der wo auftaucht ist mir ja nicht unbekannt - dass viele alte Bekannte auch schon da waren und so begann das fröhliche Getratsche mit alten und weniger alten Freunden.
Auf zum Atem... äääähhhh auf zur Uni hieß sogleich die Parole, die der über den Feueralarm schlecht gelaunte Enzi murrend umsetzte. Die üble Laune verflog rasch auf dem Weg durchs ansonsten recht ansehnliche Dijon, der altbekannte Weg ging wie von allein und prompt waren wir auch schon 15 Minuten später da und begrüßten die Meute. Traditionell begann Dijon mit Vorträgen und prompt merkte man, Matt Galas hatte Zeit und in 2,5 absolut fantastischen Reden (2,5 deswegen weil er die 3. sehr sehr verkürzen musste) die er gemeinsam mit Steve Hick, der, wie diesmal sehr viele andere US-Amerikaner auch, den wiederholten Weg über den Atlantik gefunden hatte, vorbereitet hatte, erzählte er uns über deren Ergebnisse in Sachen neue unbekannte Manuale, Schlagen mit der Fläche und Turnierregeln und Gildengeschichten der Fechtbruderschaften. Was für ein Einstand :) .
Danach war auch schon die erste Mittagspause, die wir wie immer beim Mr. Kebab verbrachten und schon kam die erste Panne in Sachen Essen. Unser verehrter Galaktischer Gigaherrscher traute sich ein türkisches Cola zu trinken, es blieb beim Versuch und so landete der Rest der angefangenen Dose im Müll. Zurück am Campus ging es dann mit den Workshops weiter und so dolchten, sprinteten, windeten, zwerchten, halbschwerterlten, ringten usw. usw. usw. usw. wir durch die 3,5 Tage hindurch ohne Unterlass.
Besondere Highlights hier zu erwähnen ist echt schwierig, denn die durchgehend hohe Qualität der Workshops war beeindruckend. Hier aber mal ein kleiner Auszug was es alles zu begutachten gab.
Wolfgang Ritter – Halbschwert
Alwin Goethals – Halbschwert und Ringen
Scott Brown – Überbrücken von Distanzen (sehr inspirierend)
Daniel Jacquet – Unterhalten (Bodenkampf im Harnisch)
Martin Enzi – Langes Messer – Basisdrills
Mishel Lopes Cardozo – Dolch und Ringen am Schwert
Matt Easton – Säbeldrills
Matt Galas – Wissen verbreiten und Schwertdrills
Steve Hick – noch mehr Wissen verbreiten und Montantedrills
u.v.a.m.
Drei Darbietungen möchte ich aber dennoch ganz besonders herausstreichen, nämlich zum einen die Schaukampfdarbietung unserer Freunde Lopes und Kenneth, sie zählen völlig zu recht zu den allerbesten Schaukämpfern in Europa. Des Weiteren den Workshop von Mike Gregory seines Zeichens ein US-Trainer des Kali zum Thema „Engaging multiple enemies“, worin er den massenhaft anwesenden historischen Fechtern zeigte wie man mit dem Langen Messer und einem kleinen Messer gleich mehreren Gegnern ans Leben geht und natürlich die Demonstration von 3 franz. Archäologen unter der Leitung von Brice Lopez die sich mit der Rekonstruktion von Pankration beschäftigen. Wer nun denkt, „Hahahaha Archäologen und Faustkampf, wie lächerlich. Stehen dort, zeigen Bilder und gehen wieder“, tja weit gefehlt. Die 3 Herren tauchten dort auf mit dem Laptop ein paar Schautafeln und ledernen Schlagringen, haben 20 Minuten was erzählt und sich dann 20 Minuten volle Kanne eingeschenkt... mit den gekochten Lederschlagringen. Ich muss ehrlich sagen, das war das mit Abstand beeindruckendste was ich jemals gesehen habe. Memo an selbst... Ausprobieren! :)
Was es zum fechterischen sonst noch zu sagen gibt ist einfach... Es waren rund 150 Teilnehmer (inkl. denen der De Taille et d’estoc) und davon rd. 25 Trainer. Überraschend war die enorm hohe Anzahl an Besuchern aus Übersee. So waren neben Steve Hick, Jeff Tsay und natürlich Scott Brown noch 5 oder 6 weitere Amerikaner hier zu begrüßen. Das ist eine Entwicklung, die ich für sehr wichtig finde, denn hist. Fechten sollte global sein und die Gruppen in den Staaten genießen ja bei uns auch hohes Ansehen. Schön zu sehen, dass sie den Weg hinüber in die Mutterländer des Fechtens finden. Natürlich fand auch wieder ein Turnier statt, das gewann mal wieder ein Schwede aus der Meisterschmiede von Anders Linard, der Gewinner heißt Axel und den 2. Platz belegte zur Abwechslung auch mal wieder ein Schwede. Die sollten mal während der Winterpause dort oben mehr mit ihren Freundinnen und Frauen schlafen und weniger trainieren :). Das Reglement war durchaus lustig, da es dieses Mal eher auf Verteidigung fokussiert war denn auf Angriff. Kurz zusammengefasst galt folgendes:
Runde 1: 1 Treffer und du bist weg, bei Doppeltreffer sind beide draußen.
Runde 2: die besten 8 mit den wenigsten erhaltenen Treffern kommen eine Runde weiter
Runde 3: die besten 2 mit den wenigsten erhaltenen Treffern kommen weiter
Runde 4 = Finale: der bessere Fechter gewinnt. da wurde einfach durch 5 Schiedsrichter drüber entschieden und aus.
Verdient hätten es beide und der richtige Mann hat gewonnen. Sehr beeindruckend.
Doch nun zu den abendlichen Ereignissen, die ja die eigentlich wirklich lustigen Highlights der jährlichen Dijonreise bedeuten. Zum Donnerstag kann ich nichts sagen, denn am Donnerstag Abend kollabierte ich todmüde ins Bett und schlief sofort ein, spaßig war hier lediglich eine Folge Navy CIS auf französisch gehört zu haben. Am Freitag aber ging’s ans Eingemachte. Um 18 Uhr rannten wir aus der Halle, ab ins Hotel, duschen, kultivieren (wer mich kennt weiß, dass die Mühe vergebens war :) ) und ab ins „La Tartiflette“ zum jährlichen Käsemassaker. Im Schlepptau hatten Enzi und ich seine Herrlichkeit, den geehrten Galaktischen Gigaherrscher, Enzi Freundin Tanja, Gabi von Ars Gladii sowie Wolfgang und Matthias von den Nominibus Vacantes aus Baden. Matthias, seines Zeichens ein 65 kg Leichtgewicht von spindeldürrer Gestalt, sollte an diesem Abend noch für Heiterkeit sorgen. Jedenfalls kamen wir im Lokal an und ich - Oli war leider nicht dabei - fragte mit meinen paar Brocken französisch nach einem Tisch für uns 7. Am Tisch sitzend begann dann das alljährliche Fromagegebrülle und der Wortwitz „Bouche, Bouche, Bouche, Trebuchet“ (ist ja phonetisch wirklich lustig) wurde zum ersten mal in Dijon in die Runde geworfen und mit sehr dummen Blicken der umher sitzenden Franzosen hinlänglich kommentiert. Wir pinkelten uns natürlich ob der Dummheit des Wortwitzes fast in die Hosen.
Dann kam der Kellner mit leicht verwirrtem Blick und brachte uns die Speisekarten und ging nach einem leisen „Bon Jour“ wieder davon. Ganze 5 Minuten später kam er endlich wieder und nahm die Bestellungen auf, nach einigen Verwirrungen über die Menge des gewollten Wassers mit und ohne Kohlensäure brachte er uns einfach eine 0,5l Flasche „sans gas“ und ging. Dieses Mal guckten wir blöd und bestellten einfach was anderes und, man glaubt es kaum, das kam auch. Danach wurde das Käsemassaker 4 x Raclette bestellt und Enzi tätigte die unglaublichste Bestellung von allen... „Une Salate pour (Denkpause) Famm“. Der Kellner verlor nun endgültig seine Fassung und zerplatzte fast vor Lachen, die Franzosen hinter uns konnten sich ein Grinsen auch nicht verkneifen und wir am Tisch fielen sowieso einfach um. Mit einem Fingerzeig aufs gewünschte Gericht war aber dann alles klar. Wieder bekamen wir ein Wagenrad von Käse, dazu bergeweise Erdäpfeln, fetten Schinken, Wurst und Speck und Gürkchen (die Bezeichnung Gurkerl haben sie sich noch nicht verdient). Und dann gings los. Ich gab wie immer nach der zweiten Ladung geschmolzenem Käse w.o., danach kapitulierte Enzi und somit war das Duell zwischen dem galaktischen Gigaherrscher und Matthias dem Schwergewicht eröffnet. Nach dem 6. Mal abschaben wars dann soweit, der GaGi gab auf und somit war der Sieg in österreichischer Hand, das ließ Matthias aber unbeeindruckt und er legte munter weiter los. Beim neunten Mal allerdings (ca. 500 - 600g zähflüssiger Käse mitsamt Zutaten) kam ihm der Käse aber schon aus den Ohren raus und erstmalig sah man ein wenig Verzweiflung in seinen Augen. Der Kellner in all seiner Umsicht und dem Wissen, dass dieser Käse schon mehr als nur eine Arterie verstopfte wollte Matthias vom Teller befreien. Was folgte war eine Szene die es besser nicht geben kann. Mit einem Lächeln und einer kleinen Verbeugung wollte der Kellner ihm den Teller wegnehmen und abservieren. Darauf befanden sich allerdings noch ein Stück Erdäpfel mit viiiiiiiiiiiiiel Käse und ein bisschen Schinken. Matthias umklammerte den Tellerrand als Zeichen, dass er noch nicht fertig war, dem Kellner war das egal, er zog halt einfach nur stärker an. Hiasi hielt nun aber mit aller Kraft und knurrte den Kellner mit einem „Naaaaaaaaaaaaaa“ an, dass dieser auf einmal vollkommen erschreckt los ließ und rücklings davon ging. Selbstzufrieden über die erfolgreiche Verteidigung des Tellers lächelte Matthias und stopfte sich das letzte Stück Käse-Erdäpfel-Schinken-Konglomerat in den Mund und kaute weitere 10 Minuten daran herum.
Der Kellner, der sich nur zögerlich wieder an den Tisch traute, durfte nun endlich abservieren und wir wollten Kaffee ordern. Nachdem ich über die Unsitten beim französischen Kaffee Bescheid wusste, bestellte ich feiger Weise einen Cappuccino und bekam dann so etwas Ähnliches zumindest. Enzi wollte es wieder gefinkelt machen und bestellte in der Hoffnung eine Cafe Latte zu bekommen einen Café au lâit, fügte noch den Passus „grand“ mit der passenden Handbewegung hinzu und war voller Hoffnung. Der Rest am Tisch machte es mir gleich und bestellte einen Cappuccino oder einfach nur einen Kaffee und bekam das was man zu erwarten hatte, dunkles Wasser mit Zucker und Schlagobers, Enzi hingegen bekam einen Fingerhut voll mit Kaffee dem ein bisschen Milch gezeigt wurde mit dem Verweis, dies sei ein Café au lâit. Natürlich brachen wir anderen wieder vor Lachen zusammen. Beim Enzi wuchs der Hals.
Nun ja, wir tranken aus und gingen ins „Le Cappuccino“ und ließen den Abend dort ausklingen.
Der Samstag Abend verlief in dieser Hinsicht relativ unspektakulär, außer dass das Essen in der „Grande Taverne“ mal wieder entbehrlich war. Das Quiz, das dieses Jahr von Oli, Andi und mir erstellt worden war, wurde mit großem Staunen beantwortet und bei der Frage nach dem „Why“ scheiterten alle kläglich. Die Antwort „*rüüüüüüüüüüüülps* why not“ überforderte den Shitcorner der anwesenden Fechterschaft. Als würdiger Gewinner stellte sich mal wieder die Schola heraus, allerdings auch nur deshalb, weil wir bei der Bekanntgabe des Siegers darüber abstimmen ließen ob der mit den wenigsten oder der mit den meisten Punkte gewinnen soll. Nun ja... die Schola hatte die wenigstens Punkte von allen und darf nun wieder ran. Die eigentlichen Gewinner wären zum wiederholten Male die Mitglieder der Arte D’Armes gewesen, die mit 22 Punkten die Latte hoch legten.
Auch dieser Abend lief ohne weiteren kulinarischen oder servicebedingten Unannehmlichkeiten im Cappuccino aus.
Ganz anders der Sonntag, Kurso verführte uns in ein sehr stimmungsvolles Lokal, das mit sehr viel liebe zum Detail mit PU-Schaum und Papiermaché ein Kellergewölbe simulierte, und wir freuten uns bereits auf den Abend, denn der Sonntag Abend galt immer als der entspannteste des Events. Wir bekamen die Speisekarte und ich versuchte, den mit am Tisch sitzenden die Speisen zu übersetzen. Zum Glück nahm dann Kurso bei uns Platz und übernahm diese Aufgabe. Zum Aufnehmen der Bestellung kam dann eine sehr hübsche, wenn auch überschminkte, Kellnerin und wir bestellten bei Kurso und Kurso übersetzte fleißig. Wir hofften dadurch den Erfahrungen von Freitag entgegen wirken zu können, weit gefehlt. :D Aus 3 Cola Zero, 2 Cola mit Zitrone, 2 rote Portwein, 1 Weißwein und 1 Bier wurde kurzerhand folgendes... 1 Cola Zero, 1 Cola ohne Zitrone, dafür aber 1 Portwein mit Eiswürfeln, 1 Weißwein und Bier. Lopes, der somit weder sein Cola, noch seinen Portwein bekam starrte die Kellnerin nun mit seinem in der Szene berühmten „ich bin kurz vorm Durchdrehen“-Blick an und schon war der Abend für die Kellnerin gelaufen und es klappte rein gar nichts mehr. Sie verwechselte die Speisen, die im übrigen hervorragend geschmeckt haben, vergaß ganze Bestellrunden, und zu Lopes wollte sie erst gleich gar nicht mehr hingehen. Interessanterweise bekam ich alle meine Sachen die ich bestellt habe (im Gegensatz zum Vorjahr wo ich der Depp gewesen war). Nun um die ganze Angelegenheit zu einem Ende zu bringen, wir ließen den Abend über div. Umwegen abermals im Cappuccino ausklingen und begleitet von einem traurigen aber erleichterten Fabrice und seiner besseren Hälfte Sarah trotteten die letzten Helden dieser Erde äääähhh dieses Events durch das nächtliche menschenleere Dijon. Um 3 Uhr ging’s dann in Richtung Hotel retour und um 10 waren wir auf der Autobahn in Richtung Heimat. Kurz vor St. Pölten meinte es dann Petrus besonders gut mit uns indem er die Schleusen öffnete und heftige Hagelschauer über uns nieder ließ. Die Sicht reduzierte sich auf knapp 15 m und die Geschwindigkeit von 240 auf 24 km/h.
Letztendlich fiel ich aber dann auch um 2 Uhr morgens endlich daheim ins Bett und trauerte darüber dass ich nun wieder 360 Tage warten muss um wieder nach Dijon zu fahren.