Was macht man in der Zeit zwischen zwei Rabensteins? Richtig, noch ein paar Kilometer weiter nach Deutschland vorstoßen! In diesem Fall nach Coburg, schließlich rief Dr. Geibig zum lustigen Ballern (was uns nur eher passiv betraf) und zum fröhlichen Blödeln vor Publikum (was uns doch ein bisschen mehr betraf), welches auch unter dem Titel „Feuer und Stahl“ angekündigt wurde, und das bisher größte Zusammentreffen historischer Fechter des deutschen Sprachraums zum Zwecke der Zurschaustellung ihrer Künste vor Publikum darstellte. Also keine reine Marktbelustigung, so was wie Bildungsauftrag hing in der Luft, und dem waren außer unserer Wenigkeit auch die Gruppen Ars Gladii, Klingenspiel, Zornhau, Hammaborg, Ochs, Lungenfuchser und die Schwertler gefolgt – auf der BummBumm-Seite standen (für unser Zeitfenster) so klingende Namen wie die Condottieri Mauriziani und das Nürnberger Aufgebot. Wie man sieht, wurden also weder Kosten noch Mühen gescheut, nur die Besten einfliegen zu lassen – und uns halt ;-)
Die obligate Busbesatzung marschierte brav in Deutschland ein, nur wenig später traf auch der Rest (naja, zumindest fast alle) ein. (Anmerkung Eugenstern: sogar trotz einer kleinen Bus-Irrfahrt auf der Suche nach dem obligatorischen Burger King Imbiss und der großen Verwirrung meines Navis, das plötzlich nicht mehr wusste, dass es da eine Straße gab, war der Bus als erster da. Leider gibt es noch keine neuen Geschwindigkeitsrekorde zu melden. Zu schwacher Rückenwind vermutlich.) Jeder der von uns zum ersten Mal dort war, hatte offensichtlich die gleichen Gedanken – diese bewegten sich zwischen „Scheiße ist die groß“, „Scheiße ist die geil“ und „Will haben!“ (Anmerkung Eugenstern: bei mir kam noch „scheiße sind die Zufahrtswegerl zum Lagerplatz eng“ dazu. Unser Dreynpanzer braucht mehr Platz!)
Dort angekommen bauten wir brav unser Lager auf, der obligate Regen ließ auch nicht lange auf sich warten. Wie üblich dauerte der Regen auch die ganze Zeit des Aufbaus an, kaum stand das Lager, war es auch schon wieder trocken… (Anmerkung Eugenstern: deshalb hatte ich ja auch eine Regenjacke mit. In meiner Kiste. Ganz unten im Bus.)
Nach absolvierter Pflichtübung „Aufbau im Regen“ kam dann das bisher noch nicht Dagewesene: die Kür namens „Dreynschlag schaut Zornhau beim Zeltaufbau im Dunklen zu“. Zornhau lieferte uns ein wunderbares Spektakel, und während bei ihnen die Nerven ob des unbekannten Zelttyps immer mehr blank lagen, führten wir eine organoleptische Messreihe zu Biergeschmack und –temperatur durch (es soll ja keiner sagen können wir würden nichts arbeiten). (Anmerkung Eugenstern: eine Rollenverteilung, an die ich mich durchaus gewöhnen könnte. Endlich verstehe ich die Zuschauermassen, die wir da sonst immer anziehen!)
Am nächsten Tag sollten wir dann tatsächlich etwas arbeiten für unser Geld, und so machten wir uns an unsere Fechtvorführung. Freundlicherweise sagte unser lieber Oligarch seinem Dummy (=mir) die kommenden Huten laut an, was dann zumindest bei der „Schwanzhut“ für den einen oder anderen Lacher im Publikum sorgte. Nachdem wir aber sonst immer alles so trocken und ernst herunterspulen, kann man sich so einen kleinen Ausreißer ja wohl leisten…
Offensichtlich wollte unser oberster Gewaltherrscher damit vermeiden, dass ich mich ebenfalls dem Dummy-Aufstand anschließe, wie es schon der einzige wahre Ritter mit seinem Dummy schmerzhaft erleben musste – er wurde von der ganzen Macht des wütenden Dummypöbels vor allen Leuten blutig geschlagen. Vielleicht sollten wir uns doch langsam zum Fechtkollektiv „Rotes Schwert“ umgründen, dann könnte so etwas nicht mehr passieren… (Anmerkung Eugenstern: wir arbeiten gedanklich auch schon an Fechttechniken für Hammer und Sichel)
Der mustergültige Auftrittsplatz hatte zwei große Vorteile und einen Nachteil:
Der Vorteil war, dass er eine doppelte Absperrung besaß, was uns die Sorgen nahm, jemand anderen außer uns selbst zu verletzen, der aus der doppelten Absperrung resultierende zweite Vorteil war, dass es uns allen ein seelisches Vollbad war, unserem Schnaki dabei zuzusehen, wie er innerhalb der beiden Absperrungsringe seine Runden zog wie ein Rottweiler, dem man seinen Knochen versteckt hat, um sämtliche Kinder zu verscheuchen, die allfällige Extremitäten hinter die erste Absperrung gestreckt hatten. (Anmerkung Eugenstern: das könnte man eigentlich als eigenständigen Programmpunkt verkaufen… *grübel*)
Nun zum einen Nachteil des Platzes: Er war direkt neben der Bühne! Mit Band! Die Musik machte! DUDELSACKMUSIK!
Freundlicherweise unterließen sie das zwar während der jeweiligen Vorführungen, allerdings sorgten sie während des Aufwärmens für eine fröhliche Untermalung, was uns natürlich dazu verleitete, auf diversen Waffen in bester Playback-Manier mitzuspielen… (Anmerkung Eugenstern: Luftgitarre war gestern! Oder im Mittelalter Kontext eigentlich morgen...?)
Als Lagergäste hatten wir wieder einmal Hans und Helen, da es diesmal jedoch kein Holz zu hacken gab, wandte sich der liebe Hans dann doch einer eigenen Vorführung zu, bei der er aus dem historischen Fechten entnommene Techniken mit Alltagsgegenständen zeigte (und dabei auch zu unserer kindischen Freude den einen oder anderen Dürer ausfasste). (Anmerkung Eugenstern: ich muss an dieser Stelle eine Beschwerde an die Orga der Veste Coburg aussprechen, welche ihm untersagte eine Fechttechnik mit einem Dildo zu zeigen!) In Kenntnis des Vorführungsablaufs war es uns natürlich eine besondere Freude, wie Hans Tags darauf verzweifelt seinen Tiefschutz suchte und im Abstand mehrer Schritte eine vorfreudig grinsende Helen hinterherlief.
Für das riesengroße Museum blieb leider viel zu wenig Zeit, die Zeit die wir hatten, reichte gerade mal aus um sich in der Keramikabteilung zu verlaufen, die wirklich lustigen Sachen blieben zumindest mir verborgen – warum muss die Veste nur so weit weg sein, allein das Museum wäre es schon wert, den einen oder anderen Tag darin zu verbringen. Das ausgestellte Nestelwams dürfte aber doch wieder jeder gefunden haben, sehr viele begehrliche Blicke waren die Folge und die Hochrechnung, wie lange man dafür wohl brauchen würde, hat auch jeder gemacht.
Was wir dafür in voller Pracht erleben durften, waren die Schützen neben uns. Wie man an den leicht panik- und ruckartigen Sprüngen der gerade noch sitzenden Vereinskollegen und dem doch etwas lauteren „Bumm“ erkennen konnte, waren gleich neben uns eine Reihe Kanonen positioniert, welche uns mit einer wunderschönen Geräuschkulisse und dem schönsten Geruch der Welt eindeckten (Lieferung frei Zelt, die formschöne Nebelbank bekommen sie gratis dazu). Zwar haben uns die Kanonen an diesem Wochenende ziemlich die Schau gestohlen, die 4-Mann-Abordnung der Infanterie ging dafür etwas unter mit ihrem Gewehrdrill. Laut Ankündigung befähigte sie dieser durchdachte Drill damals, schneller als alle anderen zu schießen – sagen wir es mal so, wären sie damals in Mantua eingesetzt worden, würde der Hofer noch heute auf seinen Tod warten… (Anmerkung Eugenstern: sehr sehenswert auch der zwischendurch dargestellte Pikenblock-Drill mit ganzen ZWEI Pikenieren! :))
Am Sonntag Abend wurde dann mit einer Tradition gebrochen und das Lager im Trockenen abgebaut, des weiteren waren selbst beim Abbau keine gröberen Verletzungen passiert und selbst Enzi, Liebling aller Krankenversicherungen, hatte sich nichts getan – das konnte das Schicksal so natürlich nicht hinnehmen, und prompt wurde Enzis Rüstsack von fleißigen Helferhänden in Hans’ Auto eingeräumt und nach München verfrachtet.
Nachdem das Lager abgebaut war und sich der Verein in die diversen Autos gewuchtet hatte, fiel die Nacht auf den verlassenen Lagerplatz herein…
Der ganze Verein? Nein, ein Zelt mit den Überresten der Busbesatzung hielt tapfer die Stellung und kämpfte selbstaufopfernd bis zur letzten gelben Patrone (Typ 16, cal. 0,5L). Auf unserer Suche nach Nahrung boten uns die Schwertler freundlicherweise ihre „Reste“ an, was dann auch gern von uns angenommen wurde. Nachdem dann sogar ich ob der unglaublichen Menge an Essen kapitulieren musste, bewältigen der Oligarch und ich, üble Herrenwitze erzählend, den Rückweg ins Zelt… (Anmerkung Eugenstern: ich hätt vielleicht doch auch über Nacht bleiben sollen…)
Auf der Heimfahrt wurde getreu der alten Liedzeile „es fährt unser Dreynbus zum Burgerking hin“ natürlich die obligate und fast schon rituelle Essenseinkehr vollzogen – was dazu führte dass der Dreynbus und ich ab dann einen königlichen Chauffeur hatten. (Anmerkung Eugenstern: mein Lehnsherr!)