"Fechtfest oder Fressfest" oder "Der Tag an dem der Regen kam"
Rund 3 – 4 Wochen vor dem Event in der Nähe Madrids kontaktierte mich Alberto Bomprezzi, ja, er ist tatsächlich Spanier, und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei ihnen einen Workshop zu machen. Natürlich sagte ich kurzerhand zu und saß ein paar Wochen später im Flieger nach Madrid. Dort angekommen musste ich zwar noch mal eine Stunde auf meine Abholung warten, aber zum Glück kam Alex von den Ochsen kurz darauf auch beim gleichen Ausgang hinaus wie ich und somit verging uns die Zeit recht schnell.
Der Event fand dann zu meiner Überraschung, nicht zu der von Alex, denn der war ja bereits im Vorjahr mit von der Partie gewesen, rund eine Fahrstunde von Madrid entfernt statt. Untergebracht wurden wir in einer gewaltigen Campinganlage, mit riesigem Trailerpark und eigener Bungalowanlage. Eben diese Bungalows wurden zu unserer "Heimat" für die nächsten 2 Tage (für Alex 3, der konnte bis zum Ende des Events bleiben). Am nächsten Morgen ging’s dann nach umfangreichem Frühstück in Richtung Sporthalle, wo wir sofort von einem gewaltigen, heftigen Chlorgeruch empfangen wurden. Die Assoziation war sofort klar und wir zückten unsere Schwerter und Dolche, denn die Bakterien die man mit soooooo viel Chlor zu bekämpfen hatte, mussten riesig sein und da wappnet man sich besser. Diesen "Dungeon" überwunden, standen wir dann in einer gewaltigen Sportanlage, die noch von den olympischen Spielen von Barcelona stammte, und nach einer kurzen Eröffnungsrede ging’s sofort mit den ersten Workshops los.
Einer davon war der von Alex, und ich durfte ihm als Dummy fungieren. Nachdem die meisten Spanier kein oder nur schlecht Englisch sprachen, hielten wir den Unterricht in Deutsch ab und Kurt (ein Spanier mit deutschen Wurzeln) übersetzte simultan unsere Blödeleien. Nach 2 Stunden Basistraining für die deutsche Langschwertschule war dann der Unterricht zu Ende und es folgte sofort darauf mein Workshop zum Thema "Halbschwertfechten". Natürlich dreynmäßig mit einem sehr dummen Hut, aber dazu später mehr :-). Ohne Verletzte und auch ohne Tote ging auch diese Einheit vorüber und so machten sich sämtliche 170 Leute in Richtung Mittagessen auf, das in einem 500 m entfernten Restaurant stattfand. Das Restaurant hatte zwar genügend Sessel und Tische und auch Teller und Gläser, das generelle Platzangebot allerdings war eher suboptimal und so herrschte beim Essen eher die Atmosphäre einer überfüllten Bahnhofshalle anstatt einer gemütlichen Mittagsessensrunde. Das Essen war lecker und reichlich und dauerte ortsüblich 3 Std. Nachdem wir erst um 13.30 Uhr damit begonnen hatten, war’s nun ja doch schon 16.30 und um 17 Uhr ging es mit den nächsten Workshops los. Dieses Mal zeigte Rorro seine Errungenschaften bei der Erforschung einer Quelle zum spanischen Montante (einem spanisch/portugiesischen "Zweihänder"). Des Weiteren gab es noch Schwert/Buckler von Alberto selber, klassische Fechtschule von Maestro Andrea Lupo Sinclair, italienisches Rapier von Andy Feest, Backsword von Paul MacDonald und noch einiges mehr des recht renaissancelastigen, aber sehr guten Programms.
So gegen 20 Uhr ging’s dann wieder retour zur Campinganlage, wo Alex und ich verzweifelt den Vortrag von Manuel Valle, seines Zeichens der Steve Hick und Matt Galas von Spanien, suchten. Leider blieb dieses Unterfangen ohne Erfolg, und so saßen wir dann halt im anlageneigenen Wirtshaus und warteten auf das Abendessen. Um 22.30 war’s dann auch so weit. Wir wurden endlich hineingelassen und warteten schon voller Erwartung auf das Essen. Serviert wurden uns lauter spanische Spezialitäten… wenn man sie mag :-). Es gab als Vorspeise eine Wurstaufschnittplatte mit Jamon, Chorizzo und einer Art Salami, dazu ein bisschen Käse (für 10 Scheiben Wurst 1 Scheibe Käse) und Baguette soviel man wollte. Als Zwischengang kam dann eine Eierspeise mit Schweineblut (ich hätte nicht fragen sollen, was es ist, denn der erste und letzte Bissen waren nicht so übel, aber dann war der Appetit weg) und gleich darauf gab’s ein hervorragendes Steak, zumindest dann wenn man es bluuuuuuuuuuuuuuuuuutig mag, ergo halt wieder nix für mich, so freute sich Alex über ein zusätzliches riesiges, rohes Stück mürbes Rindfleisch. Als Nachspeise prangte sodann ein ca. 5 x 5 cm "großes" Topfentörtchen auf einem Teller mit 25 cm Durchmesser. Nach einigen Minuten der Suche fand ich dann doch noch das Törtchen und ließ es unauffällig im Mund verschwinden. Mein persönlicher Highlight der abendlichen Speisung war allerdings der Moment als ich von der gesammelten Mannschaft eine Montera überreicht bekam. Die Montera ist die traditionelle spanische Kopfbedeckung für Toreros und unter johlenden "TORERO! TORERO!"-Rufen musste ich natürlich sofort dieses Geschenk einweihen und aufsetzen.
Nach dem Essen wurden wir dann noch von Paco, einem weiteren Spanier mit hervorragenden Deutschkenntnissen, in deren Bungalow eingeladen und so saßen wir dann abermals bis 3 Uhr herum und freuten uns hier zu sein.
Sonntag morgen war abermals um 7 Uhr Tagwache und nach kurzer Morgenpflege gingen wir dann zum Frühstück, nur um festzustellen, dass wir die mit Abstand ersten waren, sogar das Küchenpersonal war noch nicht da :-). So gegen 8 trudelten dann die Leute ein und es wurde abermals gespeist. Beim Frühstück unterhielten wir uns so prächtig, dass wir sogleich den Shuttlebus zum Turnsaal verpassten. Zu zehnt, fast alle davon waren Trainer :) standen wir dann blöd beim Ausgang der Campinganlage und wurden dann scheibchenweise in Autos verpackt und zum Turnsaal gebracht.
Nach dem Eintreffen durfte ich sofort wieder ran und leitete meinen zweiten Workshop, abermals war Alex stets eine helfende Bereicherung für die Stunde, und Paco diente als freundlicher Übersetzer. Gleich danach ging’s für mich wieder retour zum Flughafen und ab nach Wien. Beim Rückflug hatten wir die geilste Achterbahnfahrt der Welt… freier Fall über 30 m mit anschließendem Auspendeln der Maschine - und das fast 2 Std. lang.
Nettes Detail am Rande, als ich in Spanien war, hatten wir fast 30 cm Niederschlag pro Stunde, als ich dann in Wien war, wolkenloser Himmel und 21°……. Verrückte Welt.
Der Event und die Gastgeber werden mir allerdings stets zuvorkommend, freundlich und fröhlich in Erinnerung bleiben, schade nur, dass die Veranstaltung so wenig internationalen Andrang fand und findet. Für mich jedenfalls wird dieser Event einen Fixpunkt in meinem Kalender einnehmen.