Markus Balbach (Link zu seiner Schmiedehomepage) rief zum "Hammer In" nach Laubuseschbach und viele viele folgten seinem Ruf. So auch 2 Dreynschläger…. Freitag früh morgens machten sich Jungdreyni Eugen und ich stauvermeidend auf den Weg Richtung Frankfurt. Das Unterfangen der Stauvermeidung scheiterte bereits 2 min. nach der Abfahrt, als direkt vor uns ein LKW meine Baumaterial bei einer Baustelle abladen zu müssen und so standen wir 20 min. blöd in der Gegend rum und mussten warten. Zum Glück sollte dies die einzige Verzögerung bleiben und so waren 7 std. später in Laubuseschbach angekommen. Eigentlich wollte Markus diesen Event gar nicht mehr machen, zum Glück konnte er zu einem Hammer Inchen überredet werden, denn das Fest/ die Messe/ das Erlebte war genial!
Die Lagerwiese war riesig und noch wichtiger… sie war noch leer. Sie war echt genial… sie war groß, sie war weich (aber nicht schlammig), sie war eben, sie hatte nur einen gewaltigen Nachteil… Bremsen, weil Gelsen waren der Wiese nicht gut genug und so begann der 2,5 tägige Kampf Harry vs. Bremsen. Am Ende konnte ich das Duell 27: 9 für mich entscheiden. Was sich aber seitdem als Pyrrussieg herausstellt, denn die Beulen jucken wie verrückt! L Wir bauten aber kurzerhand unseren Kegel und die Betten auf und streiften danach mal kurz übers Gelände. Am Gelände angekommen… (2 min. vom Lagerplatz entfernt, also schon fast ein Marathon für einen Faulsack wie mich :-D ) erblickten wir überall eifrige Betriebsamkeit und entdeckten auch gleich den Gastgeber. Markus begrüßte uns herzlich und knöpfte uns gleich mal € 10,-- als Eintritt FÜR DAS GESAMTE WOCHENENDE ab. Von solchen Eintrittspreisen könnten sich so manche bauernfangenden Mittelaltermärkte eine Scheibe abschneiden! Tageskarten kosteten € 5,--. Nach Erledigung des Finanziellen führte uns Markus durch sein Reich und zeigte uns seine Werkstatt, seine neuesten Errungenschaften sowie auch seine neuesten Produktionen. Ebenfalls präsentierte er uns stolz das größte Messer der Welt, ein ca. 2,5 m großes Damastmesser. Es drohnte bei der Kappsäge auf den Holzblöcken und war ein sehr beeindruckendes Beweisstück der Handwerkskunst die Markus Balbach sein eigen nennt.
Eugen und ich genossen die ruhige Aufbauatmosphäre des Freitags und setzten uns in die Sonne, faulenzten und schwatzten mit ein paar, für Eugen, bekannte Leute. Direkt vor uns strotzte ein Rennofen der inneren Hitze und wirkte fast wie das olympische Feuer des Freitags, denn er brannte bereits seit 10 Uhr vormittags und wir hatten es immerhin schon nach 18 uhr. Der Rennofen wurde von Anja und Dieter aufgebaut. Dieter ist seines Zeichens einer der bekanntesten deutschen Messer- und Schwertpolierer und es freut mich ihn für den Dreyn-Event 2009 verpflichtet zu haben.
Immer wieder trafen neue Leute ein, teils Aussteller und Messerschmiede, teils ambitionierte Besucher wie wir. Die ortsansässige Kelterei hatte auch schon ihren Getränkestand in Verwendung und so konnten wir herrlicher Apfelschorle (*schauder* was für ein Wort), guten Eistee und abscheuliches Cola verkosten. Der Abend verlief in geschwätzigem Beisammensein und irgendwann übermannte dann jeden die Müdigkeit und wir gingen schlafen.
Der nächste Morgen wurde eingeleitet durch Hundegejaule und Straßenlärm… eine ekelhafte Kombination, vor allem um 7 Uhr früh. Naja egal dachten wir uns und standen halt auf. Zum Glück für mich, waren unsere üblichen Morgenmuffel nicht dabei und so stand auch Eugen fit wie ein Bundschuh auf und wir gingen frühstücken. Was wir allerdings dann antrafen versetzte mich in riesiges Erstaunen… Die freiwillige Feuerwehr unterstütze die Kelterei mit einem Essensstand und die dort feilgebotenen Speisen und Getränke waren zwar einfach aber durchaus schmackhaft. Was mich allerdings erstaunte waren die verlangten Preise. Als geplagter Mittelalterbesucher ist man ja über Kaffeepreise von € 3,00 nicht mehr verwundert und auch, dass eine Wurstsemmel schnell einmal € 2,50 kosten kann, überrascht bald niemanden mehr, Bratwürste werden selten unter € 4,00 angeboten und die überall angetroffenen „gestreiften Ritterknollen“ (Pommes) bekommt man auch nie unter € 3,00. Nun ja der Stand der Freiwilligen Feuerwehr von Laubuseschbach konnte und wollte damit nich konkurrieren. daher hier mal ein kurzer Auszug aus der Verpflegunspreisliste…
0,35 l Apfelschorle: .€ 1,50
0,25 l Cola: € 1,00
0,35 l Süßmost Gespritzt: € 1,50
0,35 l Bier : € 1,50
0,35 l Soda : € 1,00
Kaffe (großer Becher): € 1,00
Bratwurst (ne riesige!!!!) mit Gebäck und Saucen: € 1,50
Pommes (große Portion): € 1,00
Wurstsemmeln mit Käse und Gurkerln: € 1,00
Div. Kuchen und Torten: € 1,00
Erbseneintopf mit Bockwurst (ne ordentliche Portion): € 1,50
usw usw usw.
Evtl. gibt das den kundenschröpfenden MA-Marktstandbetreibern, die meinen sie müssen den blöden Besuchern das weiße aus den Augen nehmen mal nen Anlass zum Denken. Auch wenn ich leider bezweifle.
Nun genug des Lobs zur Orga des kulinarischen Köstlichkeiten, nach dem üppigen Frühstück jedenfalls fingen die ersten Aussteller an ihre Werke zu präsentieren. Und Freunde ich sage euch… Jeder Messersammler und Stahlbegeisteter wäre auf der Stelle in Ohnmacht gefallen bei der Präsentation dieser Handwerkskunst. Es gab Monostahlklingen, Messer aus alten Kettensägenketten, Messer aus Damast (no na ned) und sogar Messer aus Joghurt… oder hab ich da was mit dem links- und rechtsdrehenden Material falsch verstanden?
Darüber hinaus gabs ich tonnenweise Zubehör. Die Fa. Angele war dort mit ihrem rollenden Schmiedewerkzeugcontainer, Polier- und Schleifutensilien, sowie haufenweise div. Hölzer für Griffschalen wurden an den Mann und auch die eine oder andere Frau gebracht. Letztere war allerdings sicher vom skurilsten Objekt der Aussteller mehr fasziniert…. Penisknochen… diese Knochen die sich aufgrund von ihrem sehr geraden Wuchs bestens für Griffschalen aller Arten und Längen eignen waren von 10 – 60 cm vorhanden. Offensichtlich ist die Größe doch nicht soooo uninteressant.
Samstag nachmittag fand auch der Messerbelastungstest statt. Dieser Test wurde von der „American Blade Smiths Society“ ins Leben gerufen und beinhaltet für Haumesser folgende Punkte:
durchtrennten eines lose hängenden Hanfseils an den untersten 6 Zoll (max. 3 Versuche)
durchhacken eines 50 x 100 mm starken Weichholzpfosten (Hochformat) auf Zeit
Beweis über die noch immer vorhanden Schnittfähigkeit (die meisten rasierten sich danach einfach ein paar Haare in den Beinen ab)
Vermessung des Messers ob es sich bei der Belastung verbogen hat (Was bei differenzial gehärteten Messern am Klingenrücken durchaus passieren kann)
Die Messermacher nahmen zeigten reges interesse und hackten munter drauf los und fast alle bestanden auch den Test problemlos. Dafür gabs dann eine nette Urkunde. Nachdem das in Deutschland nur alle 2 Jahre möglich ist diesen Test zu machen, ist das sicher ein sehr nettes Andenken für jeden Messerschmied.
Nach diesem Belastungstest kamen dann die Jungs mit den größeren Klingen, nämlich wir. Markus bat uns im Vorfeld, dass wir, wenn wir schon da sind, dem Publikum ein paar Einblicke ins Fechten gewähren und das taten wir dann auch. Wie immer war unsere Darbietung stets mit ein bisschen Humor versetzt und war mit Sicherheit eine nette Abwechslung zum zwar interessanten, aber für Zuseher doch recht langweiligen Messertest. Nach uns gab noch Jorrit von unseren Freunden vom Hammaborg eine kurze Einführung in das Thema des I.33 und für seine erst sehr kurze Teilnahme an Rolands Unterricht und dafür, dass es erst seine erste Demonstration war, machte er seine Sache schon recht ordentlich.
Das für uns spaßigste kam allerdings erst nach der kleinen Fechtvorführung… nämlich die Cuttingtests mit Schwertern aller Art. Dieter Kraft hatte seine Albionsammlung dabei, Eugen sein Katana und sein selbstgeschmiedtetes Langschwert, ein Freund aus Bern kam ebenfalls mit dem Katana und ich hatte mein geliebtes Schwert von unserem langsamen Schmied dabei.
Hier sei nochmals ein recht herzliches Dankeschön an Dieter Kraft gerichtet, der der freundlich Spender der Tatamis gewesen ist…DAAAAAAAAAAAAAAAANKE! :-)
Wir hackten also fröhlich und munter darauf los richteten einen wahren Tatamigenozid an. Ein Heuboden kann nicht strohiger gewesen sein, als der Hof von Markus Balbachs Firmengelände :-). Eugen und ich nutzten die seltene Gelegenheit gleich dazu um ein paar Sachen zu testen, wie zum Beispiel Schläge aufs Tatami wenn man dabei rund um den Ständer steigt oder Hiebkombinationen usw. Ein lustiges Erlebnis hatte ich, als ich es mir erlaubte mein geliebtes Langschwert zu betrügen und mir Eugens Katana auslieh um einer Matte den Gar aus zu machen. Das Teil ging durch die Matte wie heißer Draht durch flüßige Butter und nahm mir am Ende den letzten Spaß daran mich näher mit dieser Waffe zu beschäftigen. Technik war damit völlig egal, einfach irgendwie hinhauen, das reicht vollkommen, naja wems gefällt… Ein weiterer Highlight der Cuttingsession war das Betrachten der... hhhhhmmm.... "Technik" von Jorrit. Kurzerhand wurde von mir zum Rudolph Nurejew des Cuttingsworkshops ernannt, denn sein eingesprungener Doppeltolup mit Telemarklandung war schlichtweg unübertroffen. :-D
Die Hacksession war vorbei, der Samstag neigte sich dem Sonnenuntergang zu und wir genossen diesen grillend auf der Lagewiese bei herrlichen Knoblauchsteaks. Die musikalische Begleitung war durch die weite Entfernung zwar in angenehmer Lautstärke, dafür klangs aber umso schräger. Der Samstag endete jedenfalls wie er begann… mit Hundgejaule und lauten Autos auf der Straße.
Der Sonntag bot erwartungsgemäß natürlich wenig neues. Ein Novum war das anrücken der Blasmusikkapelle, aber zum Glück von uns kamen diese nicht in Trachtenmoden und spielte volksdümmliche Musikanektdoten, sondern boten Deep Purple über Buddy Holly bis hin zu Black Sabbath ein sehr nettes Spektrum an Musik. Ansonsten bestand unsere größte Anstrengung an diesem Tag darin, dass wir dem Kaufrausch wiederstehen mussten, da wir beide mehr als pleite waren. Es gelang uns zwar jedoch schmerzte das Herz sehr, als um 14 Uhr die ersten Hersteller mit den Objekten der Begierde von dannen zogen und man wusste, man hat ne Gelegenheit verpasst. Was blieb war die Hoffnung auf bessere Chance.
Gegen 15.30 machten wir uns wieder auf die Heimreise. Diese war erwartungsgemäß ereignislos, einzig und allein die Fahrt zum Lager brachte mich mehrere Male fast vor den Kadi, weil ein paar Bundesdeutsche im volltrunken Malorcazustand nicht mehr wussten wo der Unterschied zwischen Gehsteig und Straße ist und einige von diesen Objekten (weil Subjekt kann man zu sowas nicht mehr sagen) wollen sich unbedingt bei mir als Kühlerfigur verewigen. Das nervte tierisch, tat aber der Freude über das vergangene Wochenende keinen Abbruch.
Ich hoffe jedenfalls, dass Markus dieses Fest in 2 Jahren wieder machen wird und ich wieder die Möglichkeit haben werde dort wieder mit hoch zu fahren.