Wieder einmal ist es soweit, die üblichen Verdächtigen von Dreynschlag, packen ihre Sachen und treffen sich zur Abfahrt nach Dijon zum 7. jährlichen Treffen der europäischen hist. Fechterelite.
Nach einer problemlosen 12 stündigen Autofahrt, die halt wie immer nur in Deutschland verzögert wurde, dank der üblichen Staus und Baustellen, kamen wir gegen 21 Uhr im bereits bekannten Hotel an und bezogen unsere Zimmer.
Nachdem wir ja in Dijon bereits bestens bekannt sind, bekamen wir auch prompt das passende Zimmer, nämlich das für …. Naja sagen wir einmal… physisch Herausgeforderten. Dieser Umstand erwies sich als besonders vorteilhaft, mussten wir nämlich die Dachbox von Enzis Auto abmontieren, da er damit nicht in die Tiefgarage kam. Sie wurde kurzerhand unter großem Staunen der Rezeptionistin ins Zimmer getragen und im Badezimmer, das im übrigen ca. 10-12 qm groß war, verstaut.
Sofort gings am zum Standardtreffpunkt, dem Cappucino. Viele waren bereits gekommen und noch mehr sollten es werden. Die Begrüßung war wie immer herzlich und ausgelassen und das Trommelfell der Anrainer wurde mal wieder heftig strapaziert. Kaum nahmen an einem Platz und ich schlürfte soeben meinen ersten Orangensaft, als plötzlich eine Person auf mich zutrat und mit bester Darth-Vader-Stimme zu mir sprach… „Hi, I am Serena from Schola and I want to fight you!“. “HHHHMMMM”, dachte ich, als ich sie sah, denn sie war stehend nicht größer als ich beim sitzen und sie wog ca. soviel wie eins meiner Beine, „das kann ja lustig werden!“. Leider hatte Serena an diesem Abend einen kleinen Unfall und sie verletzte sich die Nase, daher mussten wir leider unser geplantes tet-â-tet absagen und verschieben.
Der Donnerstag verlief dann wie immer… Oli und Enzi kamen nicht aus den Betten, wir kamen wie immer zu spät zum Beginn des Events und wie immer verpassten wir die Begrüßung durch Fabrice. Die Vorträge hingegen hörten wir alle und das war auch gut so, denn die Qualität dieser war erstaunlich. Begonnen wurde der Reigen mit Daniel Jacquet aus der Schweiz, der über seine Erfahrungen aus dem Harnischkampf berichtet hat, gefolgt vom Scott Brown aus den USA, der es wieder einmal geschafft hat über den großen Teich zu kommen. Er hielt ein sehr inspirierende Rede zum Thema „Trainingsaufbau“ und erhielt hierfür sehr viel verdienten Beifall. Den Abschluss der Vortragsreihe machte Matt Easton über die Entwicklung des langen Schwertes und der Fechtschulen in England. Matt zeigte abermals seine Qualitäten als hervorragender Redner und erwies sich einmal mehr als Kanditat für eine Dreyn-Ehrenmitgliedschaft. Seine Ausführungen sprühten nur so vor wissenswerten Daten und noch mehr vor humorvollen Anekdoten aus den Archiven der britischen Amtshäuser.
Nach der Mittagspause bekamen wir dann besuch von einer Schulklasse aus Dijon die von Sarah (die Ehefrau von Fabrice) eingeladen wurden um die Demonstrationen zu sehen. Luis Preto aus Portugal, präsentierte kurzerhand ein paar Techniken aus dem Jogo do Pau, dann folgten Colin Richards zum Thema Dolch und anschließend kamen noch zwei bis dahin unbekannte Holländer von der EMCA. Die Zwei entpuppten sich sogleich als Stuntprofis, die semiprofessionellen Schaukampf betreiben und verblüfften gleich alle anwesenden mit einem Schaukampf der Extrasonderklasse. Auch uns alten Hasen aus dem Geschäft fiel vor Begeisterung die Kinnlade bis zum Boden und somit gabs nach der Vorführung den verdienten phrenetischen Applaus für Lopes und Kenneth. Alle anschließenden Darbietungen standen dann natürlich nur im Schatten der beiden, leider auch die unsrige zum Thema „Langes Messer“.
Nach den Demos beginnen die Workshops die, ums gleich abzukürzen, alle reibungslos abliefen und großen Zulauf fanden. Gezeigt wurde unter anderem….
Langes Messer – Entwaffnungen von Martin Enzi (Instructor), Oliver Walter und Harald Winter (Dummies)
Ringen am Schwert von Gaetan Marain
Ringen und Dolch nach Liegnitzer von Predrag Nikolic
Rapier von Olivier Dupuis
Fiore Basics und Langschwert von Ilkka Hatikainen
MS30564 von Stevie Thurston
Fiore Langschwert sowie Sword/Vikingshield von Colin
I.33 von Scott Brown
Sword/Buckler nach Liegnitzer von Wolfgang Ritter
Dolch Grundlage von Harald Winter (Instructor) und Oliver Walter (Dummy)
Duellvorbereitungen von Szabolcs Waldmann
Lediglich 3 Workshops gilt noch besonders zu erwähnen…. zum ersten den Workshop von Stevie Thurston, er behandelte das Mansuskript 30564 aus England. Manchen war es bekannt, die meisten jedoch zuckten lediglich mit den Schultern bei dessen Erwähnung. Stevie traute sich bisher als erster über dieses Fechtbuch drüber, da es sehr umständlich formuliert ist und die darin vorgestellten Techniken wohl eher dem Mummenschanz als dem Fechten gelten. Die Vorstellung von Stevie war wahrlich interessant.
Des weiteren der Workshop von Ilkka Hatikainen aus Finnland zum Thema Fiore Basics, dieser 120 min. Workshop begann mit einem 80 min. Aufwärmen, für viele der Teilnehmer, war das Aufwärmprogramm schon eher ein Marathon als ein warm-up und einige mussten bereits hier das W.O. geben. Ilkka der schier eine zatobek’sche Kondition zu haben scheint fing dabei noch nicht mal zum schwer atmen an. Leider verdrehte ich mir genau am Ende des Warm-ups mein Knie und als es dann endlich interessant wurde, musste ich W.O. geben. L
Der dritte Workshop den es zu erwähnen gilt ist der von Szabolcs Waldmann, der den Leuten seine Vorgehensweise zur Annäherung an den Freikampf näher bringen wollte. Leider kam es hier zu einer Terminkollision mit den Cuttingtests, sodass Szab lediglich 2 Teilnehmer beim Workshop hatte und dieser somit nur im sehr sehr kleinen Rahmen durch geführt wurde. Sehr schade eigentlich, denn das gezeigte war durchaus interessant und wie so oft bei Szabolcs’ Workshops diskussionswürdig, aber sehr interessant.
Am Freitag abend hatten es Oli und ich endlich geschafft!!!! Endlich fand der Event an einem Wochenende statt wo auch der DFCD, die Fußballmannschaft von Dijon ein Heimspiel hatte. Prompt machten wir uns auf den Weg, steckten Nigel von der Schola noch in die Tasche und machten uns auf zum Stadion. Während des Spiels erhielt Nigel noch Unterricht im Fluchen auf wienerisch und schon bald darauf beschimpfe er den Linienrichter mit den passenden Wörtern. Dreynschlag - der Bildungsauftrag on Tour :D Dijon gewann dann letztendlich auch mit 1:0 in dem sehr kurzweiligen Spiel in dem alles zu sehen gab, außer einer Massenschlägerei bei den Spielern.
Natürlich gab es Samstag auch wieder ein Turnier. Als Headjudge ließ sich Ilkka verpflichten, der mit der Naivität eines Neulings diese Aufgabe sogar freiwillig übernahm. Waren die Kämpfe der ersten Runde ein klein wenig zu sehr durch sein Judging zerstückelt, so stieg Ilkka ab Runde 2 zu wahren Höchstleistungen auf und erwies sich als hervorragender Kampfleiter. Das Niveau des Turniers war extrem hoch und die dargebotenen Kämpfe höchst beeindruckend. Besonders hervorgetan haben sich wieder einmal die Leute von „A Kard Rendje“ aus Ungarn. Sie bewiesen abermals ihre Qualitäten in der Schwertführung, lediglich an Kampfcleverness fehlte es den noch sehr jungen Streitern. Im Finale standen sich letztlich Pete von Schola und Boars Tooth und Adam von eben A Kard Rendje gegenüber. Pete gewann den sehr guten Kampf durch Publikumsvotum, aber durchaus zu recht. Er war ein wahrhaft würdiger Sieger des Turniers.
Samstag abend gab es natürlich wieder das bereits allseits bekannt und geliebte Dijon-Quiz und man höre und staune, die Sieger dieses Mal war eine Gruppe die zu 50% aus Dreynschlägern bestand. Marita, Andi, Oli und Enzi schafften das schier unmögliche und gewannen im Stechen das Quiz… DIJON…. FÜRCHTE DICH VOR UNSERER RACHE! J
Am späten Samstag abend geschah es auch, dass plötzlich der Stolz der Schola, deren Banner, das zum wiederholten Male unbeaufsichtigt blieb aus dem Cappucino verschwand. Es ist bis heute auch nicht wieder aufgetaucht und der Verbleib ist nach wie vor ungeklärt. Wir sind selbst auf die Entwicklung gespannt.
Der Sonntag verlief wie immer… müde Gesichter, müde Stimmung, viele schlafende Gestalten auf der Stabhochsprungmatte und ein schnarchender Harry als deren Hauptmann J. Der Sonntag verging gemächlich und so die ersten Leute verließen nach und nach den Event, was nicht nur die Stimmung trübte sondern auch den Ablauf ein klein wenig zum Stocken brachte.
Am Abend ließ uns das Cappucino leider hängen und somit hatten die Jungs von De Taille et d’estoc eine ganze Menge an Improvisation zu tun um für die noch 40 verbleibenden Wahnsinnigen einen Treffpunkt zu finden. Wir kehrten dann letztendlich in kleines Restaurant mitten am Marktplatz ein, das mit unserem Erscheinen sichtlich überfordert war. Wären Kurso und ein Mädel von DeD nicht gewesen, wäre wohl der offene Aufstand ausgebrochen, da die Bedienung es nicht einmal der Mühe wert fand die Bestellungen selbst aufzunehmen. Leider wurden wir wieder einmal Zeugen der Zweiklassengesellschaft in Frankreich…. Sprichst du französisch, bist du ein Mensch, tust du es nicht, bist du ein Arsch … Nun ja… da bin ich lieber ein Arsch als das ich französisch red ;-) Das gebrachte Essen war dann allerdings schon sehr ok, die Preise wie immer gepfeffert hoch, aber auch das sind wir in Frankreich gewohnt J
Den Ausklang fand der Abend dann in einem noch offenen Pub in der Nähe des Hotels und so gegen 2 Uhr früh kamen wir dann alle im Hotel an. Es folgte die große Verabschiedung und das Versprechen eh wieder zu kommen und am nächsten morgen um 8 verließen wir dann mit Umweg über das Shoppingcenter auch wieder Dijon in Richtung Heimat.
Abschließend gilt es noch unserer aller herzlichsten Dank an die Gruppe von De Taille et d’estoc zu entrichten. Sie schufen wieder einmal einen herrlichen Event und zeigten sich auch wieder als gute Gastgeber.