Als Peter Zillinger von Klingenspiel uns bei der Generalversammlung des Österreichischen Fachverbandes für Historisches Fechten mitteilte, dass die Akademie der Fechtkunst Österreichs zu einem Übungsleiterkurs einlud, war mein Entschluss schnell gefasst: Ich entfernte meinen Namen rasch von der Auftrittsliste für Eggenburg, besorgte einen Ersatzmann (Manuel, eh kloar) und meldete mich beim Kurs an.
So rasch wie meine Anmeldung erfolgte auch die Zusage von der Akademie und somit hatte ich schon mein erstes Geburtstagsgeschenk.
Am 8. September um die unchristliche Zeit (und das während des Besuchs des Papstes) von 8 Uhr früh begann also für 33 angehende Übungsleiter, darunter immerhin sieben aus dem Bereich des Historischen Fechtens, das Seminar. Wir wurden alle sehr herzlich von Dipl.-Fechtmeister Dr. Laszlo begrüßt und erhielten sogleich einige theoretische Grundlagen über den Umfang des Titels „Übungsleiter“, erste Hilfe, Geschichte des Fechtens (nun ja, für uns historische Fechter war das schon eher die Zukunft des Fechtens, aber wie immer ist das halt eine Frage des Standpunktes) und über die rechtliche Stellung eines Trainers bzw. Übungsleiters.
Nach dieser Einschulung erfolgte sogleich das Aufwärmen. Die Aufwärmübungen waren in Summe nett, jedoch würde ich für meinen Geschmack ein umfangreicheres Aufwärmtraining bevorzugen. Dennoch muss man festhalten, dass die beiden für diesen Job extra eingeladenen Damen vom Fechtverein „Balmung“ ihre Sache sehr gut gemeistert haben und meine Oberschenkel waren angenehm mit Blut gefüllt.
Anschließend machten wir dann noch ein paar Übungen mit der Waffe und erhielten wieder einige erklärende Worte von Johann „Giovanni“ Lottspeich, ebenfalls Dipl.-Fechtmeister und seines Zeichens Vizepräsident des Österreichischen Fechterverbands. Danach gabs dann endlich Mittagessen.
Gleich nach dem Mittagessen kam unsere erste große Stunde: Wir durften den Sportfechtern nun einmal die eigene Vorgeschichte ihres Sports präsentieren und gaben eine sehr kurze (leider viel zu kurze) Einführung in die Geschichte des Fechtens. Horst und Julia von Klingenspiel begannen mit einer kurzen Darbietung zum Thema I.33 und anschließend betraten Peter Zimmermann von Rittersporn und ich die „Bühne“, um den Anwesenden die Grundlagen der deutschen Schule näher zu bringen.
Die Augen wurden groß, als ich ihnen mitteilte wie wichtig der Körpereinsatz und das Ringen im ursprünglichen Fechten gewesen ist, und bei den zwei bis drei Techniken aus dem Schlossringen gab es die ersten verwunderten Blicke. Wie schon erwähnt war die Zeit viel zu kurz, ich hatte ganze 20 Minuten, um einen gründlichen Einblick in die Komplexität unserer Kunst zu geben, aber es war mit Sicherheit mal ein Anfang und ich hoffe sehr, dass wir weiterhin Gelegenheiten bekommen werden, uns auch im Zuge von Sportfechtveranstaltungen zu präsentieren.
Nach unserer Präsentation (hab ich im übrigen schon erwähnt, dass sie viel zu kurz war?) übernahm wieder Giovanni das Wort und wir begannen mit praktischen Übungen mit dem Florett. Ich hatte das Glück mit einem bereits sehr versierten und vor allem geduldigen Fechter trainieren zu können. Nachdem es ja schon immer meine Art war zuerst zu rennen und nach den ersten Bruchlandungen mal doch mit dem Gehen weiter zu machen, bekam ich auch die eine oder andere Schramme vom Degen auf meiner Brust ab, aber nach 20 Minuten hatte ich den Dreh einigermaßen heraußen, und man glaubt es kaum, aber ich landete in einem kurzen Freigefecht sogar einen Treffer.
Nach dieser Stunde, die mir ehrlich gesagt doch sehr viel Spaß gemacht hat (ja, trotz der geradegebogenen Kleiderbügel!!!), machte sich Dr. Laszlo daran, uns in Sachen Didaktik ins Gebet zu nehmen und erläuterte uns seinen Lehrbetrieb bis zur Jugendprüfung.
Mit diesen Erläuterungen und einem 80 Seiten starken Skript ausgestattet wurden wir zum Theoriestudium entlassen und fuhren danach zu Peter Zillinger, der von uns allen die meiste Erfahrung in diesen Waffen hat, um zu lernen. So gegen Mitternacht kamen wir dann zu der Entscheidung, dass wir genug Theorie durchgeackert hatten, und ich wanderte heim.
Sonntag, 9 Uhr… die Pforten öffneten sich wieder und viele müde Gestalten betraten den Raum. Als die Frage aufkam wer denn das Aufwärmen übernehmen wolle, hoben Peter Zillinger und ich kurz entschlossen die Hand und wir gingen ans Werk. Peter nahm sich eine Hälfte des Kurses und ich die andere. Peter drillte seine Gruppe mit Schrittübungen mit Handzeichen, ich hingegen bevorzugte eine spielerische Variante zum üben der Schritte: Ich machte mich daran, das „Zombiespiel“ in die Riege der Sportfechter einzuführen. Ich denke mal, dass das Spiel relativ gut ankam und auch den meisten viel Spaß bereitet hat.
Nach dem Aufwärmen kam auch schon meine große Stunde und ich wurde zur mündlichen Theorieprüfung gerufen, die ich bei Giovanni ablegte. Nach zwei Fragen war’s auch schon wieder vorbei und ich konnte mich geistig darauf vorbereiten, mich Übungsleiter für Florett, Degen und Säbel nennen zu dürfen. Nach und nach wurden immer wieder Leute von Giovanni eingefordert und alle kamen beruhigt und mit einem Lächeln wieder von ihm zurück, so dass man davon ausgehen konnte, dass sie es alle schafften.
Das Programm war jedoch noch nicht zu Ende, nach dem Aufwärmen ging’s erst richtig los. Dr. Laszlo ging nun mit uns allen die Grundlagen der jeweiligen Waffen durch, die wir als Übungsleiter zu beherrschen haben und im Zuge dieser Einschulung wurden alle Fechter mit Turnierreifeprüfung angehalten, den Posten des Übungsleiters zu übernehmen und die restliche Gruppe zu korrigieren.
Anschließend wurden wir noch damit überrascht, dass wir auch über unsere Waffen eine richtige Einschulung machen sollten, und so teilten wir den Kurs schnell in zwei Gruppen auf - eine machte Rapier und die andere machte bei uns (Peter Zimmermann, Roswitha Heindl, beide von Rittersporn, und mir) langes Schwert der deutschen Schule. Wir füllten das Programm bis zur Mittagspause, was dann doch immerhin fast 100 Minuten waren, und mit unserem Programm war dann eigentlich das Seminar zu Ende. Wir gingen noch Mittag essen und Peter Zillinger gab nach dem Mittagessen einen Einblick in die italienische Schule des Rapiers, anschließend gab’s noch ein paar Worte von Giovanni über den Respekt dem Trainer und dem Schiedsrichter gegenüber, gleich danach bekamen wir alle unsere Urkunden und das Seminar war genauso rasch vorbei wie es begonnen hatte.
Alles in allem kann man sagen, dass der Ausflug eine sehr interessante Erfahrung für mich war und ich hoffe es bleibt nicht der letzte, auch wenn ich mir sicher bin… Sportfechter werd ich sicher nie!!
Ein Gruppenfoto der neuen Übungsleiter
Das Abzeichen für den Übungsleiter, das Wappen ist das Wappen der Federfechter von Prag. Der zweitältesten Fechtbruderschaft der Geschichte.