Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
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Rabenstein August 07

ZDF –Zahlreiche Dreynschläger bei Filmaufnahmen bzw. Traditionen soll man pflegen

Liebes Dreyntagebuch, um Dich nicht zu vernachlässigen und auf vielfachen Wunsch übernehme ich das schwere Erbe und führe die Chroniken in Gedenken an die letzte Autorin weiter.

Rabenstein 2, die Fortsetzung des Jahres-Highlights stand am Programm, und es begann mit der üblichen mühsamen Anfahrt.

Ja liebes Tagebuch, ich sollte mich eigentlich auf das Wochenende freuen, doch die Packerei und die lange Anfahrt ist bekannter Weise äußerst anstrengend; vor allem für jene, die mit dem Transporter unterwegs waren, kam es zu einem unwillkommenen Déjà-vu. Selbiger Transporter erfreute seine Insassen bereits zum zweiten Mal, unglaublicher Weise an genau derselben Stelle im Frankenland, mit einem Reifenplatzer. „Same procedure as last year Miss Sophie“, ein Ersatzreifen war nach der Vorjahreserfahrung zwar dabei, nur der Wagenheber ließ bei der Packlast sein Leben und verabschiedete sich nach getaner Arbeit kurzerhand mit einem Knick(s). Ein Fluch oder eine Geheimwaffe der Bayern gegen eine neuerliche Unterwanderung aus Österreich?
Man weiß es nicht, … wir werden sehen, noch fühlten wir uns willkommen …

Diesmal ergab es sich, dass wir bereits am Vorabend in Wien abfuhren und somit einer Nacht mit genügend Schlaf und einem stressfreieren  ersten Auftritt entgegensehen konnten. Apropos Schlaf, dieser bedingt eine Schlafstätte und so hatten wir das Vergnügen, im Licht von Autoscheinwerfern und Taschenlampen gegen Mitternacht unsere Zelte im gelobten Land aufzuschlagen.

Dreyntagebuch Randnotiz: Ein müder und vor allem gemischt geschlechtlicher Arbeitstrupp kann auch im Paradies die Sonne respektive den Scheinwerfer verdüstern.

Am nächsten Tag gab es dann die üblichen diplomatischen Kontaktaufnahmen mit den hiesigen Veranstaltern und befreundeten Gruppen. Viele Leute, auf die man sich schon lange gefreut hat, fallen einem um den Hals und Süßigkeiten werden an die Eingeborenen verteilt - es verspricht wieder mal ein schönes Wochenende zu werden.

Auch diesmal fuhren wir Dreynschläger mit Gästen im Lager nach Rabenstein, um ihnen den Markt auf dem Milch und Honig fließen zu zeigen („ja ja mein Sohn, irgendwann wird das alles Dir gehören“) - diesmal galt es einen massiven Verstärkungstrupp von „Turba Ferox“ (immerhin 6 Leute) durchzufüttern. Daher hieß es auch etwas arbeiten um die Dreynkassa zu füllen und so ging es flugs zum ersten Auftritt:

Nach publikumswirksamen Dehnungsübungen der Akteure - ich behaupte ja immer noch es handelt sich um eine groteske Form des Balztanzes, der teilweise abschreckende Einsichten in die Anatomie des einen oder anderen Dreynschlägers bietet - begann das grausige Spiel, und lief wie immer gut.

Liebes Tagebuch, damit meine ich natürlich es lief gut aus der Sicht des Publikums! Den eingerissenen Schleimbeutel eines der Verletzungskollektoren unter den Dreynschlägern erwähne ich nur am Rande. Paraden mit dem Ellbogen waren noch nie sehr effizient. Aber auch mit einem tauben, bewegungslosen Arm gilt „the show must go on“, und eine echte Dreyndiva muss man schon von der Bühne zerren, solange sie noch lebt. Wäre ja nicht das erste Schwert, das mit Klebeband an die Hände gebunden wurde, wenn selbige beim Versuch des willentlichen Haltens des Griffs schmerzbedingt versagt. Man hat doch schließlich einen Ruf zu verlieren und sechs hungrige Gäste durchzufüttern.

Eifrig wurden alle möglichen Ersatzkonstellationen durchdacht, aber dank extrem großzügiger und liebenswerter Hilfe befreundeter Nachwuchstalente wurde spontan ein privater Krankentransport in die nächste Unfallklinik organisiert. Spritzen, Schmerzmittel, Fixierverband und ein zusätzlicher großer Griff in die Dreynapotheke macht nicht nur die Pharmakonzerne, sondern auch den verletzten Dreynschläger glücklich.

Danach liefen alle anderen Auftritte glatt und seeeehr entspannt ab – sogar die betonharte Wiese war von da an weich wie ein Himmelbett.

Die Unterstützung der Gäste bei den Auftritten und Umzügen könnte man sich nicht besser wünschen. Wasser wurde gereicht, Waffen geschleppt und zermarterte Körper ins Lager getragen.
Liebes Dreyntagebuch ein kleines Wunder war dabei auch zu beobachten. Als aufgrund erschöpfungsbedingter Abwesenheit aller Dreynschläger die gesammelte Truppe von Turba Ferox zum Umzug ging und sich als „Dreynschlag die Wiener Fechtschule“ ankündigen ließ, begab es sich, dass diese nicht vor Scham zu Asche verfielen. Gerüchteweise soll sogar der Obmann selbiger Truppe, trotz Angst vor Teeren, Federn, Verbrennen und Ausschluss aus der Gruppe durch die daheim gebliebenen, daran teilgenommen haben. Ach, liebes Tagebuch, ist es nicht schön, wenn im Reenactmentbereich ein paar Gruppen auch den umgekehrten Weg zu Trennung und Streit wählen und sich zusammentun?

Dreyntagebuch Randnotiz: Ob das wohl am alles zusammenschweißenden 16er-Blechkonsum liegt?
Werde diesen Faktor bei zukünftigen Studien als Variable berücksichtigen.

Der Markt wird mit jedem Mal schöner und größer. Muss wohl an meinen akribisch ausgefüllten Feedbackzetteln liegen.

Einige unsere umtriebigen, sozialkontaktsüchtigen Dreynschläger (liebes Tagebuch, ich behaupte ja, es handelt sich um den plumpen Versuch der Arbeitsverweigerung unter dem Deckmantel der engagierten Beziehungspflege) waren mehr in anderen Lagern denn im eigenen zu finden, was einer gerechten Arbeitsteilung nicht immer zuträglich war.

Diesmal wurden wir in der Nachbarschaft nicht von der IG MIM geadelt, sondern von unsere netten ehemaligen Coburger Gastgebern, dem Nürnberger Aufgebot von 1474. Diese hatten, zu unser aller Freude, Wolfgang den galaktischen Gigaherrscher zu Gast. Nach einem kurzen Umtrunk mit einem 45 Jahre alten Portwein respektierten wir jedoch den Wunsch der Nürnberger unter sich zu bleiben. Schade auch, man sieht sich eh so selten.

Mit großer Bewunderung pilgerte aber am nächsten Tag die halbe Belegschaft ins Lager der Nürnberger, um Harry Maussners Jahrhundertprojekt, „das berühmte Nestelwams“ andächtig zu bewundern. Bei der Gelegenheit schlossen Berny von der Turba Ferox und Harry Maussner auch noch einen Kopfbedeckungshandel ab. Dieser freute sich über seinen neuen purpurnen Kopfschmuck und versuchte unseren Harry die restliche Zeit davon zu überzeugen es wäre Purpur und nicht LILA.

Jaja liebes Tagebuch, das „mein Fußballverein hat besseres Kung Fu, schönere Farben und dickere Eier“ - Getue findet doch immer wieder eine Gelegenheit, um auch den vifsten Dreynschläger zu irrationalen Handlungen zu zwingen, und verursacht schlimmste Zwangsneurosen und Farbphobien. Jeder modebewusste Reenactor, der sich nichts ahnend dem Dreynlager nähert, sei von nun an gewarnt! Farben wie Aubergine, Brombeere, Purpur Dunkelblau, Veilchenblau, Ultramarin oder einen hellen Pflaumenton erkennt der „Homo Vulgaris Fussballensis Rapidus“ nur als „Lila“. Diese Störung der Hirnchemie, ausgelöst durch einen simplen und unselektiven optischen Reiz, kann schon für den einen oder anderen Besucher fatale Folgen haben. Naja liebes Tagebuch, wenigstens bleibt mir so meine ganze Milkaschokolade. Ob ich Harry sagen soll, dass das von ihm verputzte Konfekt aus einer Schachtel „Lila Versuchung“ kam? Hm, besser nicht.

Trotz mühsamster Zurückhaltung und festen Vorsätzen der Sparsamkeit passierte es dann doch: Die Dreyn-Reenactorfraktion und die halbe Mannschaft von Turba Ferox verfiel bei der Sichtung der Schuhe von Meister Knieriem alias Stefan von der Heide in einen finalen Kaufrausch. Dieser bekam nach anfänglicher Freude und Gelassenheit etwas Stress, als alle mit Sonderwünschen und ihren Stinkefüßen auf seiner Matte standen und wie die Irren bestellten.

Eine besondere Ehrerbietung wurde uns durch unsere lieben Freunde aus dem Wikilager zuteil. Nicht nur dass sie unsere Vorherrschaft endlich anerkannten, haben Sie uns doch auch gleich freiwillig ein eigenes österreichisches Hoheitsgebiet mitten im Frankenland, komplett mit Grenzbalken, überlassen. Nachdem der erste Habsburger in der Früh über die neu entstandene „Mauer Light“ gefallen war und vor Lachen seinem ursprünglichen Plan der Blasenentleerung nicht mehr folgen musste, mussten wir diese Grenzen im Einklang mit den Marktbestimmungen jedoch zu unserem großen Bedauern wieder abbauen. Diese frühmittelalterlichen Diplomaten haben sich letztendlich dann doch gänzlich dem Glanz des Habsburgerreichs unterworfen und uns sogar noch eine Kiste Bier als Tribut überlassen. Löblich und liebenswert!

Liebes Tagebuch, die nächste Tradition! „Der Glanz des Habsburgerreiches“ oder auch das „16er-Blech im neuen Gewand“ ist ein Thema für sich. Nach 4 jähriger Missionsarbeit (man könnte auch sagen „Heranzüchten eines abhängigen Klientels“) hat sich diese Dose als Rabensteiner Kultgetränk entpuppt. Hatten wir diesmal sogar 100 Dosen mitgenommen, reichte dies immer noch nicht, um dem Verteilungsdrang und der Missionierungstätigkeit einiger Dreynschläger gerecht zu werden. Erst energisches Einschreiten der hauseigenen Trinker konnte ein allzu freizügiges Verteilen des flüssigen Ambrosias verhindern, und es blieb sogar eine Palette zur Eigenversorgung über. Für zukünftige Sponsorenverträge wurden auch sogleich werbewirksame Fotos frei nach dem Prinzip „Dosen mit Dose“ erstellt.

Ein weiteres mediales Highlight für uns war die Dokumentation unseres Auftritts durch das ZDF, der im Rahmen eines Festberichtes dann auch tatsächlich gesendet wurde. Nach äußerst netten Gesprächen mit dem Filmteam des traditionellen deutschen Fernsehsenders, in denen klar wurde, dass hier nicht nur das übliche „Ridder-Burgfrollein-Klischee“ gepflegt werden sollte, folgten wir deren Bitte um Mitarbeit mit Begeisterung: Gemeinsam bannten wir das Anlegen von Rüstzeug, die Belebung der Burg Rabenstein und das eine oder andere Interview auf Datenträger und verhalfen Ihnen somit zu ansehnlichem Sendematerial. Man muss an dieser Stelle auch ein großes Lob aussprechen, da sich die Redaktion des ZDF an ihr Versprechen hielt und uns sowohl den fertigen Bericht, als auch das Rohmaterial per Post zukommen ließ. Daran können sich heimische Fernsehsender durchaus ein Beispiel nehmen, die selbiges trotz oftmaliger Zusammenarbeit nicht geschafft haben.

Alles in allem wieder ein Riesenspaß, viele nette Leute, gute Auftritte und ein hohes Marktniveau
Wir freuen uns auf Rabenstein 2008!

 

Liebes Tagebuch ein Nachtrag noch:
Größter Minuspunkt!
Seine Durchlaucht Herzog von Donnerschlag und Baron Findinsloch bedauern es zutiefst, ihre traditionell zum vierten Mal stattgefundene Golfpartie mit dem russischen Abgesandten nicht vollendet haben zu können.

 

Der Chronist

 

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