Welch Freude - ein Auftritt direkt vor den Toren Wiens!
Keine lange Anfahrt und kein Suchen des Festgeländes in fremden Gefilden – äh, kleiner Irrtum!
Es begann mit der Finte, dass wir nicht in Ebreichsdorf selbst, sondern in einem seiner Stadtteile (Schranawand) auftraten - wobei zwischen den Stadtteilen von Ebreichsdorf durchaus ein paar Kilometer Landstraße liegen können. Für einen Wiener, der gewohnt ist, dass Bezirke aneinander grenzen, eine Herausforderung an seine Orientierung. Auf der verzweifelten Suche nach dem „Mittelaltermarkt“ ( Man kennt ja die üblichen Orte des Verbrechens – Kirchenplatz, Sportplatz, Schlossgarten…) lernte ich Ebreichsdorf ein paar mal von vorn bis hinten genauer kennen.
Schließlich und endlich doch am Ort des Geschehens angekommen fanden wir ein paar Heurigenbänke nett unter Bäumen drapiert, einen vorbildlich abgesperrten Auftrittsplatz auf der Wiese vor dem Feuerwehrhaus und all das eingebettet in eine nette Wohnsiedlung mit Spielplatz und Teich.
Das einzige irritierende an dieser Idylle war das gänzliche Fehlen von jeglicher Deko, Ritterburgen-ankündigungen, etwaigen „Jubel-“ und „Handgeklapperrufen“ und vor allem von Publikum, sprich jeglichem Hinweis auf ein Mittelalterfest. Nicht einmal ein leises „höret, höret, höret“ war zu vernehmen
Es war einfach niemand zu sehen. Immer noch zweifelnd ob wir hier richtig waren, begannen
wir mit der Materialschlacht und packten aus, was wir in unsere Autos gestopft hatten.
Als die ersten Blechteile in der Sonne blitzten, kamen ein paar wenige Neugierige aus den Häusern, um uns freundlich aber noch ein wenig misstrauisch zu beäugen.
Wir machten es uns also im Schatten bequem und harrten der Dinge, die da noch kommen würden. Doch schon kurze Zeit später begann sich aus mir unbekannten Quellen eine kleine Menschenmenge im provisorischen Schanigarten und um den Auftrittsplatz zu bilden.
Nach dem Eintreffen der örtlichen Würdenträger (Bürgermeister..), die uns auf das freundlichste und herzlichste Willkommen hießen, gingen wir dann ans Werk.
Alles ging gut und noch viel besser!
Die (wenigen, kleinen) Patzer gingen in der Begeisterung der Zuschauer unter und als Ghul uns zum Schluss alle auf einem Haufen zu stapeln begann, nur um sich kamkikazeartig auf selbigen zu werfen, stoben Oli, Dirk und meine Wenigkeit wie geplant rechtzeitig weg - obwohl die verletzungsfreie Auflösung dieses Dreynknäuels durchaus eine Herausforderung war .
Frenetischer Applaus und ein anschließend mehr als eine Stunde dauerndes Bad in der begeisterten Menschenmenge, die einem mit interessanten Fragen und Lob überschüttete, war der Lohn für den Hitzestau in der Wollkleidung. Denn logischerweise waren die einzigen 2 WIRKLICH heißen Stunden an diesem Tag die während unseres Auftritts.
So schnell wie sie gekommen waren verschwanden die netten Leutchen wieder (um zum nächsten Ortsteil und zur nächsten Attraktion – den Juculatores – weiter zu ziehen) und wir waren wieder allein. Ein ungewöhnlicher aber sehr schöner Auftritt neigte sich dem Ende zu und wir packten unsere Sachen und verließen Ebreichsdorf eben so unbemerkt wie wir gekommen waren.