Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
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Rabenstein 2 2006

Ein Jungdreynschläger kommt, eine Altdreynschlägerin geht

Das soll also mein erstes Lager als Jung-Dreynschläger werden!
Schon während der Anreise zusammen mit Judith (guter non-fencing Lagergeist) und Oli werde ich in umfangreicher Art und Weise gebrieft. Aber so richtig viel kann ich mir unter diesem Rabenstein noch nicht vorstellen. Dort angekommen, bin ich angenehm überrascht über das mit Palisaden eingefaßte große Schaulager. Karo, Enzi und Schneider einerseits sowie unsere Turba-Gäste Lisa und Philes samt LKW sind schon früher nach Rabenstein aufgebrochen und haben den Großteil des Lagers schon aufgebaut.
Nachdem Schneider und ich unser Quartier im „Rüst“-Zelt bezogen und uns noch schnell ins Gewand geworfen haben, schaue ich mir erst mal das Lager etwas genauer an. Unterwegs stolpere ich dann noch über den Enzi, der sich schon bei einer anderen Gruppe vergnügt.

Der nächste Morgen beginnt mit recht durchwachsenem Wetter und einem eher späten Versuch, ein Frühstück (oder so etwas Ähnliches) auf die Beine zu stellen. Meine Gewandung ist zu dem Zeitpunkt noch recht improvisiert. Die „Nestelbänder“ aus Kunststoff verwerfe ich sofort wieder und bekomme dankenswerter Weise einige Lederschnüre vom Schneider, nachdem er neue Nestelbänder bekommen hat. Später bekomme ich noch einige schwarze echte Nestelbänder vom Oli dazu. Meine selbstgebaute Gürteltasche hat derzeit weder Schnalle noch Beschläge, und so Dinge wie Becher und Löffel fehlen mir auch noch. Dem wird jedoch bald Abhilfe geschaffen. Nach der Schoppingtour mit Schneider bin ich bald im Besitz eines Tonkruges und eines Essmessers und nachdem der Schneider noch ein paar Zinnlöffel zu viel hatte, wandert auch von diesen einer in meinen Besitz. Recht bald kommt noch ein Zinnbecher dazu.

Beim Ausstellen der Waffen stellt sich heraus, dass mein altes, vor zig Jahren mal selber gebasteltes „Hackmesser“ durchaus als Bauernwehr durchgehen kann und wird somit als Vorläufer des Langen Messers in die „Ausstellung“ aufgenommen.
In der Zwischenzeit gibt es die ersten Regenschauer, auf welche mit dem sofortigen Einsatz der neulich erst erworbenen Trippen reagiert wird. So Trippen sind schon sehr praktisch und auch gar nicht unbequem, es wäre nur günstig, wenn sie länger als 3 Stunden halten, was bei meinen Exemplaren nicht der Fall ist. Nach einer gar nicht A-konformen Reparatur mit etwas Gaffer-Tape haben sie dann aber den Rest des Lagers überlebt.

Eine etwas seltsame Situation ergibt sich gegen Abend, als auf einmal ein kleiner ca. 3jähriger Bub bei uns im Lager steht. Auf die Frage ob er sich verlaufen hat, fängt er herzzerreißend an zu weinen. Während das Mannsvolk mit dieser Situation reichlich überfordert scheint, klemmt Judith sich den Kleinen einfach unter den Arm und gibt ihn kurzerhand beim Veranstalter ab.

Nach einigen Wiki-Feldschlachten habe ich dann das Vergnügen, mir erstmals die Dreynschlag-Vorführung „Langes Schwert“ anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt übe ich selber schon fleißig für die Aufführungen in Golling, um dort Karos Part in hoffentlich angemessener Weise übernehmen zu können. Im Anschluss an die Vorführung kommt es dann zu einem der Höhepunkte des Lagers. Ausgehend von einer verlorenen Wette (ich habe bis heute nicht ganz verstanden, um was es dabei ging) stehen unsere 4 Fechter plötzlich 20 Wikis gegenüber, die von den Dreynschlägern aber in bravuröser Manier zu Odin geschickt werden.

Nach der Schlacht gibt es dann ein äußerst schmackhaftes Mahl (von der Form her an Maden erinnernde Nudeln (?) mit Zwiebeln und angeschmortem Speck) inklusive Salat, welches unter der Führung des Koch-Rogs (Karo) zubereitet wurde.

Langsam dämmert es. Gegen 21:00 werden wir von einem „Russen“ namens Dirk aus der „Sippe der Fenris“ zum „Lager-Golfspielen“ eingeladen. Als Schläger sind Waffen nach freier Wahl zugelassen. Enzi und Oli entscheiden sich für ein Langes Messer. Ich muss morgen den Schmied bitten, uns ein eisernes „Tee“ anzufertigen. Trotz der teils sehr undisziplinierten Zuschauer gelingt es uns, unseren Herausforderer eindeutig zu schlagen. Die Einladung zur Revanche für den nächsten Abend nehmen wir natürlich gerne an. Nach der sehr befriedigenden Golf-Partie schauen wir uns noch die eindrucksvolle Feuer-Show von Dominik und seinen „Feuerläufern“ an. Sehr beeindruckend, nicht war, Schneider?
Den Rest des Abends verbringen wir mit „ins-Feuer-starren“ und dem Vernichten von ethanolhaltigen Getränken, was uns recht gut gelingt. Die Versuche 16er-Bleche im Feuer zu atomisieren werden durch den Putz-Rog mit bösen Blicken abgemahnt.

Der nächste Morgen beginnt wettertechnisch genau so durchwachsen wie der Vortag. Inzwischen sind auch Bigman Harry und Gabi eingetroffen. Zum Frühstück fabriziert der Lager-Rog einen erstklassigen Milchreis mit Zimt und Weichseln. Dazu gibt es frisches Obst. Der Harry bastelt sich einen recht seltsamen Haferpapp mit Rosinen und Honig, der aber ausgesprochen gut schmeckt. Inzwischen ist es schon Mittag und die einzelnen Gruppen putzen sich für den großen Aufmarsch heraus. Karos zieht in ihrem bordeauxfarbenen Kleid den einen oder anderen schmachtenden Blick der Männer und manch neidvollen Blick der Damenwelt auf sich. Ich werde nun schon zum zweiten Mal als Schlumpf bezeichnet. Hmmm, … warum bloß?

Nach dem Aufmarsch werden wir zum zweiten Mal von unserem russischen Freund zum Lager-Golf aufgefordert. Heute sind die Zuschauer wirklich lästig. Ständig trampeln sie auf dem Green herum. Ganz stolz präsentiert er uns sein selbst geschnitztes „Tee“. Als wir ihm unser geschmiedetes „Tee“ präsentieren, entgleisen ihm etwas die Gesichtszüge. Nachdem wir ja nicht blöd sind, lassen wir ihn diesmal gewinnen. So ein Russe soll ja auch mal einen Erfolg verbuchen dürfen, die haben ja sonst nichts zu lachen. Leider verlieren wir auf dem Green unser „Tee“ und ich geben gleich im Anschluss ein halbes Dutzend „Tees“ in Auftrag, die dann auch abends fertig sind.

In der Zwischenzeit beeindrucken Oli und Harry das Publikum beim Vorstellen der verschieden Waffengattungen. Was mehr beeindruckt - die Waffen, die dummen Hüte oder Olis und Harrys Ausführungen – bleibt bis zum Ende ungeklärt.

Gegen Abend machen wir uns fertig um eine weitere oder immer noch die selbe Wette (?) einzulösen, indem wir in einem 8er-Stangenblock gegen die Wikis antreten. Unter dem Kommando von Philes und mit kongenialer Unterstützung der Jungs von Zornhau und der IG MiM (danke für die Stangen *g*) werden die Wikis beim ersten Versuch gnadenlos niedergemetzelt. Bei uns ist nur ein kleiner Kollateralschaden zu vermelden (sorry Oli!). Der zweite Versuch ist dann leider nicht so erfolgreich. Unser Stangeblock wird nach kurzer heftiger Schlacht aufgerieben.

Nach dem Abendessen (Koch-Rog sei Dank!) gibt es eine weitere Feuer-Show, bei der auch Judith brandgefährlich mitwirkt. Im Rahmen dieser Show wird unsere gute Seele Karo offiziell verabschiedet, da sie auf unabsehbare Zeit nach UK zieht. Damit sie die Dreynschläger nicht vergisst, bekommt sie ein von uns unterschriebenes „Dreyntagebuch“ mit auf die Reise. Der Rest des Abends wird wieder mit „ins-Feuer-starren“ und dem Vernichten von ethanolhaltigen Getränken verbracht. Heute ist der Putz-Rog etwas unaufmerksam und so lösen sich einige leere 16er-Hülsen in Rauch auf. Zwischendurch statten wir den Russen noch einen Besuch ab. Dort ist heute Abend eine Hochzeit zu begießen. Wir bringen dem Brautpaar eine der inzwischen heiß begehrten 16er-Bleche mit. Die Freude ist schier grenzenlos.

Der heutige Morgen beginnt mit Nieselregen. Dennoch geben Oli, Schneider und Enzi dem Publikum noch einige Tell-and-Show-Einlagen zum besten. Die Zuschauer sind trotz des bescheidenen Wetters sehr interessiert.

Karo geht es heute irgendwie nicht so gut. Zu lautes Reden wird mit bitterbösen Blicken bestraft. Scheiße, dass es im Spätmittelalter noch keine Sonnenbrillen gibt. Sie wird mit acetylierten Weidenrindenextrakten behandelt.

Leider ist das schlechte Wetter sehr beständig und bleibt uns bis zum Abbau der Zelte erhalten, so dass erstens sämtliche in grenzenlosem Optimismus geplanten gemeinsamen Trainingseinheiten mit den Zornhauern unmöglich und zweitens die Zelte im nassen Zustand eingepackt werden. Die Rückfahrt verläuft unproblematisch.

Das Lager in Rabenstein war ein tolles Erlebnis mit guten Veranstaltern, vielen hochwertigen Marktständen und teils sehr netten Gruppen. Ich denke die Einladung für das nächste Jahr ist uns gewiss.

Der „Tyrk“

P.S. Die gesamte Dreynschlag-Crew bedankt sich auf diesem Weg noch einmal bei Karo, dem guten Geist unseres Lagers für die vielen wundervollen Stunden in denen sie uns nervte und uns auf Trab hielt... Karo... wir vermissen dich hier!

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