Chris Dobson lud nun zum zweiten Mal zur IAAC ein; der Ruf
wurde gehört und ihm auch gefolgt.
Dieses Mal entschied sich Chris für den geeignetsten Ort für eine
solche Konferenz – Österreich im ganzen und Wien im speziellen. Hat
doch Wien mit der Hofjagd- und Rüstkammer die größte Sammlung
adliger Rüstungen und Waffen und das Wien Museum am Karlsplatz mit 68 Pavesen
die größte Pavesen-Sammlung dieser Erde, so hat auch noch Graz das
größte Zeughaus des Planeten….. tja… gucken und grabschen
der Superlative war angesagt und das ließen sich Sammler, Kuratoren und
auch Restauratoren nicht entgehen.
Zum ersten Mal waren aber dieses Mal auch Vertreter der praxisnahen Anwendung
dabei, nämlich Mitglieder der HEMAC, darunter Matt Easton (Scholar Gladiatoria),
Fabrice Cognot (D’Estoc et de Taille) und natürlich auch wir. Zu
erwähnen sei hier noch Toby Capwell, der sich auf der Suche nach der Vollplatte
im englischen Stil nicht lumpen ließ und gleich mal mit ca. 1500 Bildern
die mittlerweile (weltweit) größte Sammlung von englischen Plattenabbildungen
erstellte und sich von einem der besten Plattner der Welt eine Volldose machen
ließ, natürlich gehärtet und gebläut ... Und weil ihm das
auch noch zu fad war, tjostet er seit 13 Jahren. Neid fraß uns auf! ?
Während sich die Vortragenden der Restauratoren- und Kuratorenseite mit
ihren Fachgebieten ausgiebig ausließen, referierte Matt Easton über
das Aufkommen des Langen Schwertes und Fabrice mal wieder über die Mordaxt
(bzw. pollaxe, für die Spitzfindigen), als burgundische Nationalwaffe der
„Elitetruppen“ der Herzöge von Burgund. Christoph hat sich
auch nicht lang bitten lassen und fuhr gleich mal mit starkem Geschütz
auf und stellte eine völlig neue Theorie auf, dass nämlich im Freydal
von Maximilian I. nicht der tatsächliche Kampfablauf der diversen Turniere
dargestellt wird, sondern einfach Bilder aus Fechtbüchern abgezeichnet
und die Kämpfer halt nur in andere Rüstungen gesteckt wurden. Die
Taten von Maxi I. sind natürlich unbestritten!!! Er war schon der Haudegen
im Turnier, als der er bekannt ist! Wir untermauerten dies mit ausreichendem
Bildmaterial aus dem Freydal und div. Fechtbüchern.
Die restlichen Vorträge, welche auf Donnerstag und Freitag verteilt stattfanden,
waren:
1.Chris Dobson: Pläne zur Restauration der Rüstung von Willhelm von
Roggendorf (das ist dieser prachtvolle Kostümharnisch, ein Prunkstück
der Rüstkammer)
2.Tobias Capwell: Das Wiederentdecken der Englischen Platte und die Rekonstruktion
3.Dr. Matthias Pfaffenbichler: Die Helmschmied Familie, mit Rundgang durch die
Rüstkammer
4.Dr. Christian Beaufort-Spontin: Die Rosenblatt-Garnitur. (An dieser Stelle
auch großen Dank an Dr. Ortwin Gamber, dem Vorgänger von Dr. Beaufort-Spontin
als Kurator der Rüstkammer für seine Bereitschaft zur Übersetzung)
5.Suzanne Kitto: Restauration von japanischen Rüstungen
6.Jan Piet Puype: Das Klewang (Holländisches militärisches Haumesser
aus Indonesien)
7.Chris Dobson: Restauration eines italienischen Prunkhelmes
Durchs Programm führte John Scrimgeour (was im übrigen Fechter bedeutet!
;) ) ein Sammler aus Schottland, der dann kurzer Hand gleich meine Mordaxt haben
wollte, ich musste ihm versprechen ihm eine zu besorgen! ?
Waren die Vorträge schon Höhepunkte für sich, waren die Besuche
in den Museen natürlich dann das Sahnehäubchen! Begonnen hat es in
der Rüstkammer wo Dr. Pfaffenbichler, Dr. Beaufort-Spontin und Fr. Dr.
Ackermann (Leiterin der Restauration) etliche Harnische und Waffen vorbereiteten
und zum Angrabschen freigaben (natürlich mit entsprechendem Handschutz).
Naja, Handschuhe nützen nix gegen Vollsabbern …
Tags darauf durften wir dann ins Depot des Museums der Stadt Wien und uns wurden
sämtliche Pavesen vorgeführt und näher erklärt.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des Grazbesuches im Zeughaus…
Die Führer und Restauratoren erwiesen sich als äußerst versiert
in ihren Artefakten und so wurde die 3stündige Führung zu einem Kurzbesuch…
selbstverständlich bekamen wir auch hier wieder jeden Gegenstand ausgehändigt
und so sah man dann auch noch Harry mit leuchtenden Kinderaugen, als er einen
2 m langen Morgenstern in die Hand bekam! :D
Am Abend gab es dann das große Essen im Smutny und leider dann die Verabschiedung
von den Teilnehmern der Konferenz.
Abschließend gilt es noch zu sagen, dass wir allen Organisatoren und
Vortragenden nochmals danken für ihre hervorragende Arbeit und wir uns
freuen beim nächsten Event wieder dabei zu sein.