He, I am Italian, I lie naturally! Oder Tempo Ging Verloren
Endlich war es wieder soweit! Oli und meine Großigkeit machten sich auf
den Weg nach Dijon. Wie leider schon des öfteren schafften es wieder nur
2 Leute von uns dorthin. Der Rest hatte kein Geld, keine Zeit, keine Lust....
Schade, denn sie sollten einen sehr netten Event versäumen!
Aufgrund der Tatsache, dass wir nur zu zweit waren und uns somit 13 Stunden
Autofahren zu mühsam gewesen wäre, beschlossen wir den Zug zu nehmen.
Ein Unterfangen das wir noch bereuen sollten, aber natürlich wussten wir
das noch nicht! :)
Aufbruch von Wien West um 21.17 und auf nach Zürich, wir haben es verabsäumt
einen Liegewaagen zu nehmen (jaja, das Geld) und saßen somit in einem
Großraumwaggon und just neben uns 4 jugendliche Schweizer, die den Zug
mit ca. 20 Dosen Bier und viel guter Laune bestiegen. Uns scherte das zunächst
wenig und Oli war sowieso bereits in Preßbaum im Traumland (er schlief,
er war nicht im gleichnamigen Swingerclub!), ich verabschiedete mich in Amstetten
und wachte ob des Lärms der Schweizer so ca. alle 50 km auf. Ab Salzburg
schliefen sie jedoch auch endlich und so verging die Fahrt nach Zürich
ruhig weiter!
Nunja... genug der Reiseberichte und die Tatsache, dass wir dann im TGV ab Bern
auch noch Zugbegleitung von präpubertären Kindern einer Schulklasse
erhielten, lassen wir auch unerwähnt! Interessant wäre jedoch zu wissen,
warum sich die Franzmänner einbilden, dass TGV Train de Grand Vitesse heißen
soll. Oli und ich kamen darüber überein, dass es eher Tempo Ging Verloren
oder Tempo Gehört Verboten heißen müsste.
In Dijon wurden wir bereits von Kurso erwartet und er brachte uns auch sofort
zum Uni-Campus, wo wir mitten in eine Vorlesung von Matt Galas platzten, der
gerade über seine Funde von Fechtdarstellungen in Zeiten vor dem 15. Jhd.
referierte. Wir lauschten noch dem Vortrag, danach großes Hallo und Wiedersehensfreude,
denn immerhin sehen sich viele der Leute immer nur in Dijon, sprich 1x im Jahr
(was sehr schade ist!) Dort erfuhren wir auch, dass es Dave Rawlings und Colin
Richards dieses Jahr nicht geschafft haben, was uns sehr leid tat, denn beide
sind für jeden Event eine absolute Bereicherung!
Anschließend gabs Mittagessen und danach gings gleich weiter im Programm.
Didier de Grenier präsentierte CGM 558, ein erst unlängst gefundenes
Fechtbuch aus der Schweiz mit Basilarddolch (welche ja bis zu Schwertlänge
erreichen konnten) und gleichzeitig begann der Workshop von Franck Cinato aus
Lyon über I.33. Beide Workshops waren von zwei Sachen gekennzeichnet....
1. hohe Qualifikation und Wissen der Kursleiter
2. dass man für Dijon besser französisch lernen sollte um jede Erklärung
voll zu verstehen!
Vor allem Franck Cinatos Darbietung über I.33 war sehr eindrucksvoll und
noch selten sah ich jemanden so effektiv und aggresiv in der Handhabung dieser
Kampfkunst (Dave Rawlings mal ausgenommen! ;) )
Mit diesen Workshops endete auch der Tag 1 für uns und wir machten uns
auf den Weg ins Quartier und bereiteten uns auf das Abendprogramm vor. Wie immer
in Dijon.... Le Cappucino! Die Stammkneipe von Fab und seinen Jungs. Doch für
Oli und mich ging es erst zu Kurso nach hause, wohin uns dieser zu einem grandiosen
Abendessen eingeladen hatte. Kurso ist nämlich berühmt in Dijon für
seine Kochkünste und zauberte uns ein deliziöses Mahl auf den Tisch.
Zuerst gabs ein Früchtebrot ohne Früchte, jedoch mit Speck, Schinken,
Käse und Oliven darin, dann Shrimpsalat und dann Boeuf Bourguignon. Zu
guter letzt dann noch ein kleines Eis und voll gestopft mit herrlichem Essen
ging’s dann halt doch noch zum Cappucino. Dort klang der Abend ruhig und
lustig aus.
Der Samstag begann dann etwas ruhiger. Wir besuchten mal das Museum der schönen
Künste, wo gerade eine Sonderausstellung über die Grafen von Burgund
zu sehen war. Im Detail hieß dies, dass man ihre Gräber besichtigen
konnte und wir mussten feststellen, dass dumme Hüte auch in Burgund nicht
unbekannt waren! :)
Danach wieder Mittagessen und anschließend begannen wieder Workshops.
Carlo Parisi und James Marwood präsentierten ihre Ansichten zum Renaissance-Dolch
(Carlo) und zum Close-Combat (James). Während Carlo in seiner Lesson nicht
oft genug betonen konnte, dass es gut ist, niemals zu nah beim Gegner zu sein,
man lieber aus einem Führungsarm Schaschlik machen sollte und erst nach
200 Schnitten auf die Hand und dem Unterarm evtl. dran denken könne, dass
man den Gegner in den Oberarm schneidet, konnte James es gar nicht erwarten
seinen Gegner umzurennen und durch ihn durch zu marschieren! Vor allem seine
Erklärungen und Erlebnisberichte, wann er was wo und wie eingesetzt hat
waren besonders bildhaft (Ich frage mich bis heute warum mir diese Stories so
bekannt vorkamen! *gg*). James demonstrierte besonders eindrucksvoll Nahkampf
in den Gräben des. 1. WK und Nigel sein Partner präsentierte sich
sogar in einer britischen Uniform aus dieser Zeit. Beide (Anmerkung: James auch???)
sind nämlich sehr aktiv im Re-enactment dieser Zeit.
Es folgte eine kurze Pause und dann begann Matt Galas mit seiner
Unterhau-Lesson. Wie immer waren die Workshops von Matt einfach gehalten und
entbehrten keiner Facette des Unterhaus. Leider war die Zeit für diesen
Workshop viel zu kurz und so wurde Matt mitten in seiner Lesson unterbrochen,
da man plante ein Turnier abzuhalten... Wie man sich denken konnte, kam es zu
dem Turnier dann aber nicht, weil es manchen einfach zu mühsam war. Stattdessen
wurde eine „Question of Honor“ ausgetragen. Die Schweden und Norweger
hatten da noch eine offene Rechnung und kam es zum Gefecht auf Polster und Polster!
Es wurde bis „first feather“ gekämpft und Einar aus Norwegen
gewann diesen Kampf, da sein Gegner ausrutsche und er somit den Schlag auf den
Hintern anbringen konnte. Sein Preis war ein Hut der seines gleichen sucht und
den wir ihm enorm neidisch waren, denn nunmehr war Einar der Herr der Hüte!
:) (Ein grandioses Video findet hier
in der Größe von 17 MB)
Am Abend bereitete Fabrice uns einen super Empfang in einem Lokal nahe des Bahnhofs,
sicher nicht das billigste Lokal in Dijon. Es schien sehr nobel und ein Blick
in die Speisekarte bestätigte unsere Annahme! Zum Glück mussten wir
das Essen nicht bezahlen! Aber lange darauf warten und wie es nun mal Sitte
ist, nahm ich halt Messer und Gabel und begann auf den Tisch zu trommeln. Irgendjemand
begann den Refrain von „We will rock you“ anzustimmen und natürlich
ließ ich mich nicht lumpen und sang das Lied (zumindest die 1. Strophe)
dann gleich weiter. Die Kellner verstanden den Wink mit dem Zaunpfahl und servierten
auch prompt das Essen. Es war ausgezeichnet und nach dem opulenten Mahl verließen
wir die Hütte in Richtung.... naja Cappucino, wohin sonst! :)
Der Sonntag begann etwas problematisch, denn die meisten Teilnehmer reisten
bereits an diesem Tag ab und räumten ihre Zimmer - so waren auch alle Autos
voll beladen und Oli und mir blieb nur noch der Fußmarsch zur Uni (ca.
1 Std. Wegzeit), das Problem daran war nicht das Gehen, sondern die Tatsache,
dass wir eigentlich um 10.30 mit unserer Lesson hätten anfangen sollen
und bei den Froschis am 1. Mai überhaupt keine Öffis verkehren! Zum
Glück für uns, kam Sarah (die Frau von Fabrice) gerade des Weges und
nahm uns mit (Hail to Sarah!!!)
Am Uni-Campus gabs dann mal das große Gruppenfoto und dann begann Michel
Huber mit seiner Darbietung von Hans Thalhoffers Version über den Horseback-Fight!
Ein äußerst unwürdiger Workshop, nicht weil er nicht gut war,
sondern weil Michel und sein Freund auf Didier und seinem Partner geritten sind!
:) Als dann Oli und ich die gezeigten Techniken probierten machten naturgemäß
sinnvolle Schläge von links unten nach rechts oben, als Michel uns sah,
meinte er nur..... „Mon Dieu!!!! Votre Chavalle!!!!!“ Nunja, das
kommt davon wenn man aus Söldnerschweinen schwule Ridda machen will! *ggggg*
Anschließend kamen dann wir an die Reihe und wir demonstrierten Dolch
und seine Konter aus dem 15. Jhd. Wie es bei uns üblich ist, begannen wir
auch dieses mal mit einer lautstarken Ankündigung aus dem Wrestling und
verwiesen darauf, dass wahre Meister dumme Hüte brauchen würden, danach
gab’s erstmal was zum gucken und wir zeigten ca. 20 Techniken und deren
Kontermöglichkeiten vor. Einer der Konter wurde besonders von Matt Galas
äußerst ungläubig beäugt und in Zweifel gezogen. Es handelte
sich hierbei um einen Minimordsstreich mit dem Dolch. (hihihihi)
Nach der Demo ließen wir die Leute mal ein kurzes Aufwärmprogramm
machen und dann begann der eigentliche Workshop. Wir zeigten ihnen die einzelnen
Techniken (nicht alle sondern nur 4) nochmals und eröffneten sodann die
Übungszeit. Unter den Probetechniken war auch besagter Minimordsstreich
und just als Oli und Ich das Training beenden wollten, kam ein freudestrahlender
Matt Galas auf uns zugerannt mit einem kleinen Cut unter seinem Auge und rief
„IT WORKS! MAN! I DIDN'T BELIEVE IT, BUT IT WORKS!!“ (Dummer) Hut
ab vor solch einer Begeisterung!
Nach dem Mittagessen kam dann noch Olivier de Dupuis mit seinem
Programm. Er demonstrierte uns die Kunst mit dem Spazierstock und zeigte wieder
einmal, dass er ein absolut verrückter Hund ist! Warum wir dieser Ansicht
sind? Nunja,
seht euch einfach den Link an! (Größe ca. 5 MB).
Mit seinem Workshop endete nun auch das diesjährige Programm in Dijon und
die meisten verließen auch umgehend die Gruppe und machten sich auf den
Heimweg. Oli und ich und auch noch einige andere blieben noch bis Montag und
wie immer begrüßte uns Fabrice im Cappucino, wo er für uns übrig
gebliebene eine opulentes Abendmahl (Boeuf Bourguignon) und der Wirt öffnete
extra nur für uns das Lokal, dementsprechend ruhig und beschaulich war
der Abend. Wir saßen gemeinsam mit Carlo Parisi und den Leuten aus Schweden
auf einer Ecke und hatten es besonders lustig, was wir nicht zu letzt und hauptsächlich
Carlo verdankten! Nach einer kurzen Diskussion über die Marschzeit von
unserer Jugendherberge zum Cappucino meinte er „ Well, we needed 25 minutes“.
Ich widersprach ihm und meinte, dass wir mind. eine Stunde gegangen sind und
sagte ihm, dass es doch mindestens 4,5 km waren, er entgegnete mir einfach und
kompetent.... „He, I am an Italian! I lie naturally!“ Tja, was soll
man dazu noch sagen, außer *doppelrofl*??
Am Montag begann die Abreise. Kurze herzliche Verabschiedung und ab zum Bahnhof.
Die Heimreise dauerte schier ewig und nach ca. 15 Stunden und drei mal Umsteigen
in der Schweiz in Züge, die bei jeder Milchkanne stehen bleiben waren auch
endlich zu Hause.
Als Erinnerung blieb uns ein Superevent der hier wieder einmal
von Fabrice Cognot und seiner Gruppe „De Taille et d'estoc“ veranstaltet
wurde und die Tatsache, dass Italiener von Natur aus Lügen! :)