Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
News Über uns Geschichte Historisches Fechten Events & Galerie Kalendarium Links Home

Auftritte 2004

Fechtevent in Wien, 30.10. – 01.11.2004

Ein ganz persönlicher Bericht

Nachdem es mir wunderbar gelungen war mich aus der Organisation im Vorfeld so weiträumig wie nur irgend möglich heraus zu halten begann es für mich also so richtig erst am so genannten „Anreisetag“, dem Freitag.

Da gute Einteilung das halbe Leben ist, habe ich selbstverständlich auch den Freitag noch so gestaltet, dass ich nach Verlassen des Steinbruches, in dem ich meine kärglichen Cent verdiene, noch mit Chris einen Lehrauftritt auf der Universität Wien -selbstverständlich unter großer Begeisterung der Studenten und Lehrbeauftragten – absolviere, um mir so, wie ich meine, die Unbill des Einkaufens zu ersparen, und kreuze erst, noch halbwegs gut gelaunt, gegen 16.30 beim Eventort, dem TGM (welchen wir ja ohne meine wunderbaren Beziehungen nie und nimmer bekommen hätten, aber das ist eine völlig andere Geschichte) auf. Die Menge der anwesenden freudig erregten Gesichter ist ein Lokal mit niedrigem Tresen, also überschaubar, denn außer Martin und Harry, die zu den Klängen der Brandenburgischen Konzerte das kreative Herumlümmeln perfektionieren, ist niemand hier; und auch auf die Frage, wie viele Teilnehmer denn bereits angekommen wären, reicht Martin als Antwort eine gelangweilt gehobene Hand mit vier ausgestreckten Fingern.

Doch das süße Nichtstun hat ein abruptes Ende als Enzi androht, die von uns eingeplanten 240 Liter Fruchtsaft jetzt selbst einkaufen zu gehen. In Anbetracht der Tatsache dass erst wenige Monate ins Land gezogen sind seit besagter Herr nach einem Bandscheibenvorfall mehrere Wochen lang eine Rehabklink von innen betrachtet hat, rasen Walter, Dorian und ich also zum Hofer, wo einer von uns Orangensaftpaletten in einen Einkaufswagen lädt, der zweite das selbe mit Apfelsaft erledigt und der dritte damit beschäftigt ist, Enzi nichts heben zu lassen. Ein unwürdiges Crashrennen mit voll beladenen Einkaufswagen über die Wexstraße später beginnt das fröhliche Gepansche, auch „Umfüllen von Tetrapacks in Plastikkanister“ genannt. Bert und ich stellen uns ganz unabsichtlich so blöd dabei an, dass diese Aufgabe für den weiteren Verlauf des Wochenendes Dorian vorbehalten bleiben werden wird … gefickt eingeschädelt!

Gut, mittlerweile tröpfeln einige Teilnehmer langsam und gemächlich ein – und telefonisch erreicht uns die Botschaft, dass der Mann mit dem längsten Anreiseweg, Fabriel aus Lothlorien, eine Panne an seiner Kusche hat und wohl mit ziemlicher Verspätung eintrudeln wird. In the meantime holt Harry noch ein Paar Leute ab und ich bändige einige ob der Tatsache dass es in der Alpenrepublik noch kein Pfand auf Bierdosen gibt euphorisch werdende bundesdeutsche Nachbarn.

Auf zum geselligen Beisammensein beim tiefen Wirten unseres Vertrauens – hatte ich vor einer Stunde noch Angst gehabt, dass dieser Einstandsabend ein Dreyntrunk mit drei bis fünf Gästen werden könnte, bin ich doch überrascht, als hier plötzlich viel mehr Leute auftauchen als schon beim gestrengen Torwächter Martin eingecheckt haben, vor allem eine große Ochs-Abordnung ist direkt an die Tränke gewandert – wen wundert’s? Im Laufe des Abends sollen dann noch einige Nordländer von der Größe des Wiener Schnitzels überrascht werden und eine nicht näher bezeichnete Rheinländische Lichtgestalt lernt die Bedeutung des Wortes „Fluchtseidl“ kennen – und so vergeht auch dieser Tag unter Lachen, Scherzen und Wiedersehensfreude.

Samstag morgen – ab 8 sollen die Leute ankommen und einchecken, damit es um 9 losgehen kann – selten so gelacht. Ab 10 vor neun beginnen einige müde Gestalten daher zu wanken, während die Dreyncrew schon seit dreiviertel acht vor Ort ist und herumwuselt wie ein kleiner Ameisenstaat auf Ecstasy. Die erste erbauliche Überraschung bietet dann der Anblick von Zornhau’s one and only Torsten, unserem Spezialisten für schwarze Musik und Halbschwert – er erscheint auf Krücken, mit einem eingerissenen Meniskus im Gepäck. Na das fangt ja gut an, ein Trainer der nicht mehr gehen kann …

Endlich, mit etwa 40 Minuten Verspätung kann ich in tiefer Demut und Bescheidenheit, wie das nun mal meine Art ist, einige wenige eröffnende Worte zur Begrüßung und zum Thema Ablauf sprechen, fasse mich selbstverständlich spartanisch kurz wie immer, und dann kann es, nach einem ledernackenausbildnerverdächtigen Aufwärmen von Hans, endlich losgehen – Marlon weiht die Teilnehmer in die Grundlagen des Dolches ein (während einige andere Leute sich bemüßigt fühlen, sich im anderen Saal unter dem Vorwand des „Sparring“ gegenseitig das Hirn aus dem Schädel zu prügeln). Irgendwann während meiner 138 Telefonate dieses Vormittags (Fabriel noch nicht da, die Italiener um Marco Rubboli noch nicht da, was ist mit dem Essen, warum sind die Klos versperrt, wie funktioniert der abendliche Transfer, wie stehen meine Hedgefonds, etc etc) steht der nächste verletzte Trainer vor mir: Bart blutet aus der Nase wie die Nebendarstellerin eines drittklassigen Splatterfilmes. Flugs unsern Hampelmedic organisiert, der mit seiner stilgerecht im Totenschädeldesign gehaltenen Erste-Hilfe-Box ausrückt, um das rote Meer aus Polen zum Versiegen zu bringen. Gut so.

Die nächsten beiden Anfängerlessons verbringe ich im Dienste der Kulinarik – während Hans-Jörg’s Basic-Lesson in Messer und Langschwert schneide ich stilgerecht und passend mit Balrog Karo und Sani Walter Brot für die hungrige Meute, und während our only Deppen Chris und Bert mit Mordäxten und Gummihühnern fuchteln, sind wir damit beschäftigt, die Aufstriche, die am Donnerstag eingekauft und eingekühlt wurden (Zitat Thomas: „Die könnts ruhig in meine Tiefkühltruhe stellen, die is eh schon fast hin und kühlt nur mehr wie ein normaler Kühlschrank“) und sich mittlerweile in Blöcke von der Dichte handelsüblichen Granits mittlerer Qualität verwandelt haben, mittels Heißwasser und Spitzhacken schleunigst in eine essbare Konsistenz zu bringen … wir schwitzen mindestens genauso wie die Seminarteilnehmer. (Exitpolls unter letzteren bringen im übrigen zu Tage, dass die Basic-Lessons – wie natürlich nicht anders zu erwarten war – sehr gut angekommen sind).

Anlässlich der Essenausgabe bemerken wir, dass der Hunger mancher Beteiligter offenbar mehr in den Augen als im Magen besteht – und lernen für die Zukunft, dass man auch so simple Dinge wie Aufstriche und Brot an die Leute ausgeben und ihnen nicht freien Zugriff einräumen sollte. Enzi und Harry fahren um Nachschub, während einige Plastikschüsseln mit Inhalt im Mist landen …

Die Pause tut gut und man kommt endlich zu ein wenig Small Talk mit einigen Leutchen die man bestenfalls ein mal im Jahr sieht … und endlich landen auch die Italiener und die Hochelben. Einem gepflegten fechterischen Nachmittag steht nichts im Wege … außer natürlich die Tatsachen, dass ich zum einen eh für keine Lesson irgendwie Zeit habe und dass mir zum anderen bei der ersten Lesson, die ich echt voll mitmachen will (Marcos Fiore-Lesson) mein Handgelenk, welches ich durch den wiederholt erfolglosen Versuch beim Fußballspielen einen würdigen Tormann abzugeben, 10 Tage vor dem Event ärgstens verstaucht habe, mir derartige Wonnen bereitet, dass selbst ein hartgesottener Masochist an meiner Stelle das Training nach längstens einer Stunde abgebrochen hätte (ich bereits nach einer halben …).

Also nutze ich den Rest vom Nachmittag, der mir zwischen organisatorisch bedingtem Herumhampeln bleibt, mit wichtigem Herumstehen, kritischem Beäugen und mit unter tatkräftiger Unterstützung der Tabakindustrie Fachsimpelei (Euphemismus für „Blöd herumreden und Schmäh führen“) mit Gleichgesinnten. So gegen 18.00 haben wir dann den ersten aktiven Tag im TGM herumgebracht, manche Leute sind nur operativ von ihren Fechtmasken und Übungsschwertern zu trennen, doch wir müssen uns als Rausschmeißer betätigen, da wir eigentlich schon längst woanders sein sollten – in einem von einem akademischen Corps angemieteten Keller zwecks Anrichtung des Abendmahles.

Wir hetzen also in einen parkplatztechnisch äußerst günstig gelegenen Teil von Wien und beginnen mit den Vorbereitungen – Chinamann liefert Buffet und mir kommen schon leise Zweifel, ob das alles reichen wird … was in keinem Fall reichen wird, ist die Besteckmenge, doch flugs wird vom nahe gelegenen Japaner unter Aufbietung aller weiblichen Reize, die Dreynschlag zu bieten hat, ein großer Posten Stäbchen organisiert (wenn auch zu Wucherpreisen, aber was soll’s). Als nun alle zu stopfenden Mäuler endlich da sind, wird zum Sturm aufs Buffet geblasen, und ich brauche nur die ersten fünf Leute bzw. die Mengen, die sich diese auf die Teller laden, beobachten (wobei sich hier auch einer der unseren, dessen Namen unerwähnt bleiben soll, unlöblich hervortut und kräftig auf den Putz haut … zur Strafe wird er später das Geschirr spülen …) und wissen, dass die Menge nie und nimmer ausreichen wird. Hektisch wird Kriegsrat gehalten und schon düst das nimmermüde Harrymobil los zum Pizzaholen.

Selbst die 20 Pizzen, die dann nachgeliefert werden sind in ca. 5 Minuten verputzt, aber mehr ist heute nicht mehr drin. Ich sinke erschöpft auf einen Sessel, leere Bier in mich hinein, unterhalte mich mit vielen Leutchen und erkläre mich in meinem Dusel offenbar bereit, mich anderntags für eine Art Jungfechterkalender nackig ablichten zu lassen … Scheißalkohol. Als ich dann endlich bettwärts aufbreche komme ich am „Paukboden“ des Corps vorbei, in dem der Anwesende coleurierte Aufpasser einem interessierten Grüppchen historischer Fechter die Grundbegriffe des Mensurfechtens erklärt … dürfte doch so etwas wie Technik involviert sein, denke ich im Abgehen und bemerke, dass vor allem Marlon all diese Infos aufsaugt wie ein Schwamm … tät mich also nicht wundern, wenn bei GeC bald Leute mit Schmissen vom Training heim kommen.

To be continued


KontaktFAQGaestebuch