Am 9. November, in der „Langen Nacht der Museen“,
ist ein lange gehegter Wunsch Wirklichkeit geworden. Wir erhielten erstmals
Gelegenheit historisches Fechten in einem Museum zu präsentieren –
noch dazu in einer Umgebung die für eine solche Vorführung geeignet
ist wie keine andere: in der Hofjagd- und Rüstkammer in der Wiener Neuen
Burg. Dieses leider wenig bekannte Museum beherbergt die größte und
bestdokumentierte Sammlung adeliger Waffen und Rüstungen der Welt, und
nebenbei auch noch über 1.000 Gebrauchswaffen.
Dr. Pfaffenbichler, Kurator der Rüstkammer, hat der Sammlung einige repräsentative
Stücke entnommen, um dem Publikum Originale zeigen zu können. Diese
Waffen – Dolche, Schwerter, eine „breite Wehr“ (auch Tortenheber
genannt), ein Buckler und eine Mordaxt – durften von den Leuten mit Handschuhen
angefasst werden und sind mehrmals in der Masse begeisterter Kinder verschwunden,
dann aber zum Glück wieder aufgetaucht, ohne jemanden enthauptet oder ernstlich
verletzt zu haben.
Unsere Fechtvorführungen stießen ebenfalls auf großes Interesse.
Beide Male sahen etwa 200 Leute zu, und obwohl wir etwa eine Stunde erklärt
haben und herumgehampelt sind, ist kaum jemand abgewandert. Unter der prachtvollen
Kuppel im Obergeschoß der Neuen Burg durften wir auf blankpoliertem (rrrruuutsch!!!)
Marmor ausgewählte Techniken präsentieren. Obwohl wir uns bemüht
haben, den Boden weder vollzubluten noch zu beschädigen, ließ sich
ein Kratzer mit der Mordaxt nicht vermeiden. Naja, die Restauratoren werdens
schon richten… Wir zeigten mit Dolch, Dussack, Schwert und Mordaxt ein
„best of“ mehrerer Fechtbücher, von Ringeck über Talhoffer
und Wallerstein bis Dürer („there is always time for a little Dürer“).
Die Bedingung, Techniken mit Waffen zu zeigen, die in der Rüstkammer vorhanden
sind, war leicht zu erfüllen – die haben eh alles dort. Nur für
den gar nicht adeligen Dussack musste eben die „breite Wehr“ herhalten.
Es war eine schöne und wohl auch erfolgreiche Veranstaltung, für uns
und für das Museum etwas Neues; sie wird aber hoffentlich bald eine Fortsetzung finden.