„Eine Handvoll Wiener Bürger, die auch gemeinsam
eine Wiener Fechtschule betreiben, folgt dem Ruf des Kaisers Friedrich
III und macht sich auf den Weg zum Entsatz von Neuss. Nach langem, entbehrungsreichem
reisen auf der Feste Coburg angekommen, schlagen sie Ihr Lager auf.“
Soweit der geschichtliche Zusammenhang, warum ausgerechnet Bürger
aus Wien sich auf die, im 15. Jhdt verdammt weit entfernte, Veste Coburg
verirren.
In der Neuzeit stellt sich die Szene ein wenig anders dar:
Eine Gruppe Wiener Idealisten zwängt sich und ihr mittelalterliches
Hab und Gut in drei Pkw - die Anschaffung von Lastenhubschraubers und
Frachtschiffen wurde erwogen, um den enormen Umfang der Lasten zu fassen
– und macht sich in einer langen Karawane auf den Weg. Unpässlichkeiten
und lustige deutsche Ortsnamen verkürzten uns die Zeit bis zur
Ankunft.
Treffpunkt war eine ortsansässige, altehrwürdige Schenke
und Nobelrestaurant mit dem wohlklingenden Namen „Lorelei“.
Dreynschlag findet sich zur geselligen Essensaufnahme nach der langen
Reise. Distinguierte Bundesbürger verlegen leise ihren Platz in
ein weniger lautes Eck des Lokals. Dreynschlag bedient sich des gewaltigen
Wortwitzes um hemmungslos um sich zu schlagen. Unser Gastraum war leer,
die anderen Räume des Restaurants voll, hm.
In heiterer Stimmung bewegt sich die Gruppe mit ihren Wagen zur Veste
und verbringt ca. 15 Minuten vor einer Baustellenampel, die uns auch
mit einer noch so schönen Grünphase nicht zum Durchfahren
bewegen kann, schließlich müssen wir alle zusammenwarten.
Auf der Lagerwiese angekommen, wissen gleich alle – Dreynschlag
aus Wien ist da. Wir bauen in gut geübter Manier unsere Zelte auf
– jemand geht ums Zelt und zählt die Bahnen – es sind
zu viele, hm.
Letztendlich steht alles und die meisten von uns gehen schlafen, morgen
gibt’s viel zu tun.
Der erste Auftrittstag ist mit schlechtem Wetter gesegnet, das Publikum
hält sich in Grenzen. Jedoch sei an dieser Stelle vermerkt –
das Fachinteresse ist enorm. Wir stellen Lagerleben zur Schau, eine
Truppe halbgerüsteter scheppert vorbei zum Hellebardendrill. Alle
haben finstere Gesichter, nur einer – der lächelt. Das macht
er immer wenn man ihm eine Hellebarde in die Hand gibt.
Ein Streifzug durchs Lager unserer Gastgeber, dem Nürnberger Aufgebot
von 1476, zeigt: alles voll „A“ – A wie authentisch.
So sagen sie, andere geben dem wiederum einen anderen Sinn. Kleidung,
Zelte, Tische, Bänke, Werkzeug, alles kann sich sehen lassen und
hält auch dem strengen Auge des Fachpublikums stand.
Unser Auftritt wird bestaunt, doch ob der geringen Zahl des Publikums
erreicht er nicht die gewohnten Höhen des Ruhms – macht nichts,
wir sind die Guten und wir waren es auch. Es ist phantastisch, es tut
sich sogar jemand nicht weh. Kanonen donnern über der Zeltstatt.
Die letzte Wache macht viel Spaß, sind doch noch mehr Leute eingetrudelt
und es ist recht fein, sich mit feschen Mädels photographieren
zu lassen. Jemand hat Erklärungsbedarf gegenüber seiner Ehefrau.
Am Abend sitzen wir munter am verbannten Parkbankerl für Raucher
und können erfahren, dass Bundesbürger auch sehr unterhaltsame
und witzige Leutchen sein können. Zurück im Lager gibt’s
auch für die zum Abendessen viel zu spät gekommenen noch ein
deftiges Stück Speck und Käse von der Küchenfee. Jemand
behauptet, er hätte einen Paradeiser über den Tisch rollen
sehen.
Wiederum schlafen alle wunderbar in den nächsten Tag hinüber.
Der bringt uns jede Menge Zuschauer, sodaß die Vorstellung am
Nachmittag eine Wucht wird. Das Feedback vom Publikum ist über
alle Maßen befriedigend, die wollen wirklich alles wissen. Kanonen
donnern über der Zeltstatt. Weil’s so schön ist geliebt
zu werden, gibt es noch eine mehrstündige Draufgabe in Form einer
Erklärung und Vorführung der Fechttechnik im Fechtkreis vor
der Zeltstatt.
Da unsere Gastgeber schon alle am Abend abreisen, beschließen
auch wir noch am selben Tage die Heimreise anzutreten – die prognostizierte
Ankunftszeit in Wien lässt nichts Gutes ahnen. So war’s auch,
um rund 03:00 Uhr Früh waren wir alle wieder da. Ein gemütliches
Frühstück im Salettl stärkt uns um den Inhalt unserer
Wagen wieder ins Dreylager zu verfrachten.
Nun, wir wissen jetzt – das Mittelalter war recht angenehm, ein
wenig ernst zwar – doch es gibt ja immer noch die Raucherbankln.