Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
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Auftritte 2003

Coburg 2003

Man sah einen Paradeiser...

„Eine Handvoll Wiener Bürger, die auch gemeinsam eine Wiener Fechtschule betreiben, folgt dem Ruf des Kaisers Friedrich III und macht sich auf den Weg zum Entsatz von Neuss. Nach langem, entbehrungsreichem reisen auf der Feste Coburg angekommen, schlagen sie Ihr Lager auf.“ Soweit der geschichtliche Zusammenhang, warum ausgerechnet Bürger aus Wien sich auf die, im 15. Jhdt verdammt weit entfernte, Veste Coburg verirren.

In der Neuzeit stellt sich die Szene ein wenig anders dar:

Eine Gruppe Wiener Idealisten zwängt sich und ihr mittelalterliches Hab und Gut in drei Pkw - die Anschaffung von Lastenhubschraubers und Frachtschiffen wurde erwogen, um den enormen Umfang der Lasten zu fassen – und macht sich in einer langen Karawane auf den Weg. Unpässlichkeiten und lustige deutsche Ortsnamen verkürzten uns die Zeit bis zur Ankunft.

Treffpunkt war eine ortsansässige, altehrwürdige Schenke und Nobelrestaurant mit dem wohlklingenden Namen „Lorelei“. Dreynschlag findet sich zur geselligen Essensaufnahme nach der langen Reise. Distinguierte Bundesbürger verlegen leise ihren Platz in ein weniger lautes Eck des Lokals. Dreynschlag bedient sich des gewaltigen Wortwitzes um hemmungslos um sich zu schlagen. Unser Gastraum war leer, die anderen Räume des Restaurants voll, hm.

In heiterer Stimmung bewegt sich die Gruppe mit ihren Wagen zur Veste und verbringt ca. 15 Minuten vor einer Baustellenampel, die uns auch mit einer noch so schönen Grünphase nicht zum Durchfahren bewegen kann, schließlich müssen wir alle zusammenwarten.

Auf der Lagerwiese angekommen, wissen gleich alle – Dreynschlag aus Wien ist da. Wir bauen in gut geübter Manier unsere Zelte auf – jemand geht ums Zelt und zählt die Bahnen – es sind zu viele, hm.

Letztendlich steht alles und die meisten von uns gehen schlafen, morgen gibt’s viel zu tun.

Der erste Auftrittstag ist mit schlechtem Wetter gesegnet, das Publikum hält sich in Grenzen. Jedoch sei an dieser Stelle vermerkt – das Fachinteresse ist enorm. Wir stellen Lagerleben zur Schau, eine Truppe halbgerüsteter scheppert vorbei zum Hellebardendrill. Alle haben finstere Gesichter, nur einer – der lächelt. Das macht er immer wenn man ihm eine Hellebarde in die Hand gibt.

Ein Streifzug durchs Lager unserer Gastgeber, dem Nürnberger Aufgebot von 1476, zeigt: alles voll „A“ – A wie authentisch. So sagen sie, andere geben dem wiederum einen anderen Sinn. Kleidung, Zelte, Tische, Bänke, Werkzeug, alles kann sich sehen lassen und hält auch dem strengen Auge des Fachpublikums stand.

Unser Auftritt wird bestaunt, doch ob der geringen Zahl des Publikums erreicht er nicht die gewohnten Höhen des Ruhms – macht nichts, wir sind die Guten und wir waren es auch. Es ist phantastisch, es tut sich sogar jemand nicht weh. Kanonen donnern über der Zeltstatt.

Die letzte Wache macht viel Spaß, sind doch noch mehr Leute eingetrudelt und es ist recht fein, sich mit feschen Mädels photographieren zu lassen. Jemand hat Erklärungsbedarf gegenüber seiner Ehefrau.

Am Abend sitzen wir munter am verbannten Parkbankerl für Raucher und können erfahren, dass Bundesbürger auch sehr unterhaltsame und witzige Leutchen sein können. Zurück im Lager gibt’s auch für die zum Abendessen viel zu spät gekommenen noch ein deftiges Stück Speck und Käse von der Küchenfee. Jemand behauptet, er hätte einen Paradeiser über den Tisch rollen sehen.

Wiederum schlafen alle wunderbar in den nächsten Tag hinüber. Der bringt uns jede Menge Zuschauer, sodaß die Vorstellung am Nachmittag eine Wucht wird. Das Feedback vom Publikum ist über alle Maßen befriedigend, die wollen wirklich alles wissen. Kanonen donnern über der Zeltstatt. Weil’s so schön ist geliebt zu werden, gibt es noch eine mehrstündige Draufgabe in Form einer Erklärung und Vorführung der Fechttechnik im Fechtkreis vor der Zeltstatt.

Da unsere Gastgeber schon alle am Abend abreisen, beschließen auch wir noch am selben Tage die Heimreise anzutreten – die prognostizierte Ankunftszeit in Wien lässt nichts Gutes ahnen. So war’s auch, um rund 03:00 Uhr Früh waren wir alle wieder da. Ein gemütliches Frühstück im Salettl stärkt uns um den Inhalt unserer Wagen wieder ins Dreylager zu verfrachten.

Nun, wir wissen jetzt – das Mittelalter war recht angenehm, ein wenig ernst zwar – doch es gibt ja immer noch die Raucherbankln.

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