Das ist dieses Mal kein Event mit historischem Hintergrund,
sondern einfach eine Veranstaltung von "English Heritage",
die neben dem "National Trust" und einigen Privaten, die meisten
Burgen und Schlösser im UK verwalten.
In Carlisle Castle wurde Bonnie Prince Charlie eine
Zeit lang festgehalten, die Burg wird noch immer von der Britischen
Armee zum Teil genutzt (The Kings Own Border Regiment), und im 18. Jh.
wurden noch gemauerte Gebäude innerhalb der Burgmauern errichtet,
die ad hoc nicht so sehr ins Auge stechen, aber Duschen und "normale"
WCs haben! Endlich Komfort bei einem englischen Mittelalterfest –
wunderbar!
Es war kein Markt, sondern ein "historischer Bogen"
vom 12. bis zum 15. Jh.Geboten wurde das übliche Lagerleben und
von 12 bis 17 Uhr, abgesehen von kurzen (Pinkel-) Pausen, durchgehend
moderiertes Programm geboten, das vom leider nicht allzu zahlreichen
Publikum interessiert verfolgt wurde.
Die undankbare Aufgabe als Opener hatte die Gruppe
"Dal Riada".
Nun ja,... Wikies.... auf den ersten Blick... (man ist ja aus Deutschland
so einiges gewöhnt)... aber, ihre Show bietet einen schönen
Überblick über die Gebräuche und (Kampf-)Sitten des 12.Jh.
England, einschließlich einiger noch lange Zeit üblicher
Sitten.
Die "Harlech Medieval Society" war für
das 13.Jh. zuständig, und fokussierten eher auf Rüstung, Waffen
und Kampf, und zum Abschluß gab es dann noch eine ordentliche
Prügelei.
Die "Companions of the Crow" erläuterten
die Veränderungen in der Gesellschaft und natürlich der Waffentechnik
und im Militär des 14. Jh. im Vergleich zum 13. Jh. Sehr bildhaft,
informativ und interessant.
Die "Dawn Duellist Society" aus Edinburgh
war für mich der interessanteste Part, weil die Fechtkunst im Mittelpunkt
stand. Ein Thomas-Klon (ich bin mittlerweile davon überzeugt, daß
es in fast jedem Land einen „Doppelgänger“ einer mir
bekannten Person gibt – nein, nicht nur optisch, sondern in Gestik,
Mimik, Stil,...) hat mit feinstem schottischen Akzent die Entwicklung
der Waffen samt dem dazugehörigen Fechtstil und der Rüstung
von Schwert / Schild über Dussak / Buckler und Schwert zu anderthalb
Hand bis Rapier / Main Gauche erklärt und auch sehr gut demostriert,
natürlich mit dem üblichen trockenen britischen Humor und
zum ´Drüberstreuen noch dem morbid-wahnsinnigen Humor eines
Fechters. Echt leiwand.
Jetzt kommt der Part, bei dem ich nicht ganz sicher
bin, ob ich Respekt oder Kopfschütteln zeigen soll: ein "Full
Contact Turney" (Championship of Carlisle). Das heißt im
Klartext: die werfen sich in eine ordentliche Polsterung und Rüstung
mit einem ordentlichen Helm, denn Kopfschläge sind erlaubt! (wenn
sie meinen.......).Ich bin mir nicht ganz sicher... ob das Brutalität
war, oder um mit meinem wiener Lieblingskünstler zu sprechen: "Simmering
gegen Karpfenberg – des is Brutalität!" Und es war brutal.
Zwei bis drei Ausfälle waren zu beklagen, zum Glück nichts
schlimmes – einige Prellungen, und ordentlicher Applaus beim Abgang.
Ist ja schließlich doch noch immer "Sport"!? Tja, sie
spielen ja auch Rugby... Einer der "Dawn Duellist Society"
hat am Turnier teilgenommen und eines war sehr schön zu sehen:
Technik bringts. Er konnte seine Gegner gut auf Distanz und unter Kontrolle
halten und gute Treffer landen. Er mußte leider aufgeben, weil
er einen unglücklichen Schlag abbekommen hatte.
Den Abschluß machte die „Brotherhood of
the Hood“ mit einem humoresk dargebrachten Leben und Kämpfen
im 15. Jh.
Die Darbietungen waren kaum vorüber, war auch
schon ein typischer englischer Regen zugange. Und zwar ordentlich. Das
war Grund genug in den „Border Regiment Club“ zu gehen –
ein Pub in einer Art Kaserne halt... und am Samstag ist dort Disco!!!
Hm, nun ja...was soll man sagen; von Chuck Berry und Wanda Jackson,
über Brittney Spears und Robbie Williams bis hin zu Metallica und
Motöerhead und ein Haufen betrunkener Mittelalterleute tanzt und
Headbanged. "What a sight".
Am Sonntag gab es dann das mehr oder weniger das selbe
Programm.
Alles in allem war das Event sehr nett, was ich dort
jedoch feststellen konnte ist, daß in England alles freie Kämpfe
sind, was zum Herzeigen von Techniken nicht sehr geeignet scheint, weil
viele nette Stücke dann einfach nicht möglich sind, was fürs
Publikum sicher auch interessant wäre.