Tewkesbury ist ein kleines Städtchen an der Westküste
Englands zwischen Gloucester und Worcester mit einer uralten Abtei ,
die nicht nur sehr schön ist, sondern in deren Shop es auch wunderbare
Marmeladen,Chutneys und Schottenröcke zu erstehen gibt.
Die Abbey und das Umland waren 1471 Schauplatz einer
brutalen und grausamen Schlacht der sogenannten „Rosenkriege“
zwischen dem Haus Lancaster und York in der es (wie immer) um den „rechtmäßigen“
König ging
Die Schlacht hat sich lange hingezogen, bis sich letztendlich
die Anhänger des Hauses York durchsetzen konnten, und die fliehenden
wie auch die in der Abbey Schutz suchenden Anhänger des Hauses
Lancaster abgeschlachtet haben. In dieser Schlacht ist auch Heinrich
VI gefallen, der gerade erst 1470 aus dem Exil in Frankreich nach England
zurückgekehrt war.
Alljährlich findet zur Erinnerung an diese Schlacht
im Juli ein nichtkommerzielles Treffen der Reenactors in Tewkesbury
statt.
Dieses wird auch von vielen Spätmittelalterdarstellern
aus anderen Ländern Europas besucht. Es gibt dann einen sehr schönen Markt,
auf dem man sehr schöne Replikate (von Ton-, Zinn- und Schmiedewaren, über
Kleidung und Schmuck, bis zu Waffen und Rüstungen) erstehen kann. Natürlich
fehlen dabei auch die Hexen- und Magier- Mystikstände nicht.
In den Lagern und bei der Schlacht ist jedoch ausschließlich
das „15. Jahrhundert“ zugelassen.
Die Lager, teilen sich in das Lancastrian-und Yorkistencamp, die jeweils
am Ende des Schlachtfeldes sind, und das „Plastikcamp“.In den ersten beiden
sind nur historische Zelte und Ausrüstung
zugelassen (Living History), das Wort „Plastikcamp“ spricht
für sich. Etwas ungewohnt ist es nur, daß viele Engländer – auch
die in den Living History Camps – die Campingsessel und Gaskocher
auspacken und einen Grill- und Picknikabend beginnen, sobald die Besucher
weg sind.
Höhepunkt ist am Samstag und am Sonntag die Nachstellung
der Schlacht mit 1500 bis 2000 Kämpfern die mit großem Enthusiasmus
ordentlich aufeinander einprügeln (die Engländer sind da nicht
sehr zimperlich – die spielen ja schließlich auch gerne
Rugby ... ).
Ein weiterer „Höhepunkt“ ist unbestritten
das Bierzelt. Dort versorgt der „Drunken Monk“ die durstigen
Kehlen mit allerlei Hochprozentigem, auch mit grotesken Mischungen.
Und daß in England gerne und viel getrunken wird, ist ja auch
kein Geheimis. Dort kann es auch passieren, daß Landsknechte mit Irokesenfrisur
und Latexkostümen oder allerlei schräges schwarzes Volk im
nächtlichen Treiben auftauchen.
Alles in allem läßt sich sagen, daß
die Engländer weder so langweilig noch so farblos sind, wie es
ihr Ruf oft glauben macht, sondern ein munteres Völkchen, daß
mit großem Enthusiasmus dem bunten, ausgelassenem Treiben huldigt.