Schaukampfgruppe Dreynschlag - Historisches Fechten
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Auftritte 2002

HERZBERG 2002

Kein Reenactmentfest, aber nett

Burg Herzberg liegt in der Nähe von Bad Hersfeld in einer idyllischen Hügellandschaft in Mitteldeutschland. Die Burg ist teilweise gut erhalten, bzw. restauriert und sogar bewohnt, und vom oberen, nicht erhaltenem Teil hat man einen wunderbaren Rundumblick über das Land.

Das Event wurde vom Hessischen Ritterbund organisiert und ist ein multitemporäres Fest mit Lager, einem kleinen Markt und einer Feldschlacht.

Nach dem Durchschreiten des Tores des vorgeschobenen Holzwalles gelangt man in den ersten Lagerbereich, zuerst vorbei an den Lagern der Wikinger, danach folgt das „Hochmittelalter“, wo ich auch einquartiert war.

Ist schon lustig als Spätmittelalterlicher unter den vielen Hochmittelalterlichen herumzulaufen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, und ein großes DANKESCHÖN an HADU, der mich in seinem Lager freundlich aufgenommen hat.

Am Ende folgt der Marktbereich, wo natürlich die obligatorischen Trink- und Essensstände nicht fehlen dürfen. Zu erwähnen ist das ausgezeichnete Essen der Küchenmeystrey, denen das Essen sogar kurzfristig zu knapp wurde. Die Stände sind nett und haben auch teilweise schöne Sachen; einige Standler haben zwar das DM-Zeichen durch das €-Zeichen ersetzt, leider aber vergessen auch den Preis entsprechend zu ändern.
In weiterer Folge kann man zur zweiten Lagerwiese gelangen, die unterhalb des Schlachtfeldes liegt, auf der auch „Spätmittelalter“ zu finden ist, unter anderem eine lose Verbindung englischer Gruppen namens „COMA“ (Company Of Mercenery Archers), deren Name man durchaus unkommentiert lassen kann, die sehr nett ist. Dieses Jahr sind auch einige Mitglieder der „1476er“ (ein Großteil der deutschen „Company of St.George“), darunter Dietrich Pott und Gemahlin und Lutz, nach Herzberg gekommen. Ich habe auch einige andere Leute, die schon in Daaden gewesen sind, wiedergetroffen.

In den Lagern und der Burg herrscht den ganzen Tag über reges Treiben, das bis spät in die Nacht anhält, und es kann auch sein, daß frühmorgens „Odin“-Schreie von besoffenen Wikingern durch die Nacht hallen (wer sonst würde Odin anrufen?).

Zur Unterhaltung der Besucher gibt es unter anderem ein kleines Reiterturnier, einen Bogenschießwettbewerb und die Schlacht, die eine Belagerung der Burg Herzberg nachstellt. Bevor man jedoch an der Schlacht teilnehmen kann, muß jeder, der noch keine „A-Karte“ besitzt, eine Prüfung ablegen. Die „A-Karte“ ist in Deutschland so etwas wie ein Führerschein für diverse Waffengattungen, die einen Mindeststandard an Sicherheit in der Schlacht geben soll. Auf der einen Seite stehen die Angreifer, die von einem Tribock und zwei Balisten unterstütz, die Mauern und die hölzerne Vorburg mit Leitern und einem Belagerungsturm stürmen, auf der anderen die Verteidiger auf den Mauern und in der Vorburg.

Nach der Aufforderung zur Übergabe der Burg und natürlich deren Ablehnung, wird gebetet (betende Wikinger sind schon ein schräger Anblick) und es folgt der übliche und lautstarke Austausch von „Höflichkeiten“ der beinahe nahtlos im Beginn der Schlacht mündet. Nunja, am Samstag war es nicht so, denn justament da zuckten Blitze über der Burg, begleitet von höllischem Donnergrollen (es war verdammt laut), aufkommendem Sturm und Sekunden später einer Unmenge dicker Regentropfen. Jeder versuchte nunmehr ins Trockene zu kommen, wofür nicht sehr viel Zeit geblieben ist. Der Himmel hatte sich geöffnet, als wolle er die Sintflut übers Land bringen (deswegen gibt es leider keine Bilder davon, weil die Kamera in einen wasserdichten Sack mußte), was ihm teilweise gelungen ist, denn der Großteil der Lagerfeuer gab ob der Wassermassen w.o. (was den kurzfristigen Engpaß an Essen in der Küchenmeysterey erklärt). Als noch ein Blitz mit höllischem Getöse in einen Baum neben dem Burgtor eingeschlagen hat, glaubte man sich fast am Beginn der Apokalypse. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei und es ging an das Schadenbeheben: unzählige überflutete Zelte, abgesoffene Lagerfeuer, und als Krönung des Ganzen hatte ein verstopftes Kanalrohr einen Schacht zum Überlaufen gebracht und die Sauce hat sich den Weg durch einige Zelte den Hang hinunter gebahnt, die Küche in der Burg für ein Bankett wurde überflutet, der Festsaal vom Winde verweht. Um nur einiges zu nennen.

Bei jedem Schritt ist man knöcheltief im Wasser gestanden, und die Wege wurden spontan zu Schlammrutschbahnen umgewandelt, die auf dem Bauch liegend hinuntergerutscht wurden. Sehr zum Gaudium der Zuseher, die ihr überflutetes Zelt kurz vergessen konnten. Hier ist auch noch ein Lob an die Orga angebracht, die binnen kurzer Zeit Stroh für die Wege organisiert und ausgelegt haben. Am nächsten Morgen war der Boden zwar noch vollkommen durchweicht, aber dank des Strohs gut begehbar.

Die Schlacht am Sonntag ist dann planmäßig über die Bühne, oder besser das Schlachtfeld, gegangen. Leider mit weniger Leuten, aber das hat der Prügelei nicht geschadet. Da es ein multitemporäres Fest ist, ist es interessant zu sehen, wie verschiedene Epochen, verschiedene Kampftechniken und Waffen gegeneinander funktionieren (was diverse historische Siege und Niederlagen von Schlachten verschiedener Völker verdeutlicht). Die Wikinger verwenden hauptsächlich Schwert (teilw. Sachs) und Rundschild, sowie Speerträger, die von Schildträgern geschützt werden. Das Hochmittelalter verwendet ebenfalls Schwert (teilw. Sachs) und Schild. Das Spätmittelalter verwendet Halmparten verschiedenster Formen, verschiedene Schwerter und lange Messer und teilweise auch Buckler (kleine Faustschilde).

Meistens ist es so, daß die Schilde zu einem Wall zusammengestellt werden und dann, wenn die gegnerischen Schilde aufeinander prallen, wird mit den Schwertern aufeinander eingeprügelt. Hier ist der Faktor des disziplinierten und gemeinsamen Vorgehens von Vorteil. Wenn aber Halmparten einem Schildwall gegenüberstehen, sieht die Sache schon ein wenig anders aus – vor allem wenn es Engländer sind. Mit jedem Schritt vorwärts wird der Wall zurückgedrängt und aufgemacht – am Schild einhaken, anreißen, aufmachen, und ein anderer Sticht zu. Hier ist geordnetes und diszipliniertes Vorgehen sehr wichtig. Im Hintergrund gibt es immer eine Art „Sergant“, der versucht, den Überblick zu wahren.

Im Großen und Ganzen war es ein nettes Fest. Fürs Wetter kann ja niemand etwas......

schnaki

Photos © by schnaki (Wien)

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