Burg Herzberg liegt in der Nähe von Bad Hersfeld
in einer idyllischen Hügellandschaft in Mitteldeutschland. Die
Burg ist teilweise gut erhalten, bzw. restauriert und sogar bewohnt,
und vom oberen, nicht erhaltenem Teil hat man einen wunderbaren Rundumblick
über das Land.
Das Event wurde vom Hessischen Ritterbund organisiert
und ist ein multitemporäres Fest mit Lager, einem kleinen Markt
und einer Feldschlacht.
Nach dem Durchschreiten des Tores des vorgeschobenen
Holzwalles gelangt man in den ersten Lagerbereich, zuerst vorbei an
den Lagern der Wikinger, danach folgt das „Hochmittelalter“,
wo ich auch einquartiert war.
Ist schon lustig als Spätmittelalterlicher unter
den vielen Hochmittelalterlichen herumzulaufen. Es hat sehr viel Spaß
gemacht, und ein großes DANKESCHÖN an HADU, der mich in seinem
Lager freundlich aufgenommen hat.
Am Ende folgt der Marktbereich, wo natürlich die
obligatorischen Trink- und Essensstände nicht fehlen dürfen.
Zu erwähnen ist das ausgezeichnete Essen der Küchenmeystrey,
denen das Essen sogar kurzfristig zu knapp wurde. Die Stände sind
nett und haben auch teilweise schöne Sachen; einige Standler haben
zwar das DM-Zeichen durch das €-Zeichen ersetzt, leider aber vergessen
auch den Preis entsprechend zu ändern.
In weiterer Folge kann man zur zweiten Lagerwiese gelangen, die unterhalb
des Schlachtfeldes liegt, auf der auch „Spätmittelalter“
zu finden ist, unter anderem eine lose Verbindung englischer Gruppen
namens „COMA“ (Company Of Mercenery Archers), deren Name
man durchaus unkommentiert lassen kann, die sehr nett ist. Dieses Jahr
sind auch einige Mitglieder der „1476er“ (ein Großteil
der deutschen „Company of St.George“), darunter Dietrich
Pott und Gemahlin und Lutz, nach Herzberg gekommen. Ich habe auch einige
andere Leute, die schon in Daaden gewesen sind, wiedergetroffen.
In den Lagern und der Burg herrscht den ganzen Tag
über reges Treiben, das bis spät in die Nacht anhält,
und es kann auch sein, daß frühmorgens „Odin“-Schreie
von besoffenen Wikingern durch die Nacht hallen (wer sonst würde
Odin anrufen?).
Zur Unterhaltung der Besucher gibt es unter anderem
ein kleines Reiterturnier, einen Bogenschießwettbewerb und die
Schlacht, die eine Belagerung der Burg Herzberg nachstellt. Bevor man
jedoch an der Schlacht teilnehmen kann, muß jeder, der noch keine
„A-Karte“ besitzt, eine Prüfung ablegen. Die „A-Karte“
ist in Deutschland so etwas wie ein Führerschein für diverse
Waffengattungen, die einen Mindeststandard an Sicherheit in der Schlacht
geben soll. Auf der einen Seite stehen die Angreifer, die von einem
Tribock und zwei Balisten unterstütz, die Mauern und die hölzerne
Vorburg mit Leitern und einem Belagerungsturm stürmen, auf der
anderen die Verteidiger auf den Mauern und in der Vorburg.
Nach der Aufforderung zur Übergabe der Burg und
natürlich deren Ablehnung, wird gebetet (betende Wikinger sind
schon ein schräger Anblick) und es folgt der übliche und lautstarke
Austausch von „Höflichkeiten“ der beinahe nahtlos im
Beginn der Schlacht mündet. Nunja, am Samstag war es nicht so,
denn justament da zuckten Blitze über der Burg, begleitet von höllischem
Donnergrollen (es war verdammt laut), aufkommendem Sturm und Sekunden
später einer Unmenge dicker Regentropfen. Jeder versuchte nunmehr
ins Trockene zu kommen, wofür nicht sehr viel Zeit geblieben ist.
Der Himmel hatte sich geöffnet, als wolle er die Sintflut übers
Land bringen (deswegen gibt es leider keine Bilder davon, weil die Kamera
in einen wasserdichten Sack mußte), was ihm teilweise gelungen
ist, denn der Großteil der Lagerfeuer gab ob der Wassermassen
w.o. (was den kurzfristigen Engpaß an Essen in der Küchenmeysterey
erklärt). Als noch ein Blitz mit höllischem Getöse in
einen Baum neben dem Burgtor eingeschlagen hat, glaubte man sich fast
am Beginn der Apokalypse. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei und
es ging an das Schadenbeheben: unzählige überflutete Zelte,
abgesoffene Lagerfeuer, und als Krönung des Ganzen hatte ein verstopftes
Kanalrohr einen Schacht zum Überlaufen gebracht und die Sauce hat
sich den Weg durch einige Zelte den Hang hinunter gebahnt, die Küche
in der Burg für ein Bankett wurde überflutet, der Festsaal
vom Winde verweht. Um nur einiges zu nennen.
Bei jedem Schritt ist man knöcheltief im Wasser
gestanden, und die Wege wurden spontan zu Schlammrutschbahnen umgewandelt,
die auf dem Bauch liegend hinuntergerutscht wurden. Sehr zum Gaudium
der Zuseher, die ihr überflutetes Zelt kurz vergessen konnten.
Hier ist auch noch ein Lob an die Orga angebracht, die binnen kurzer
Zeit Stroh für die Wege organisiert und ausgelegt haben. Am nächsten
Morgen war der Boden zwar noch vollkommen durchweicht, aber dank des
Strohs gut begehbar.
Die Schlacht am Sonntag ist dann planmäßig
über die Bühne, oder besser das Schlachtfeld, gegangen. Leider
mit weniger Leuten, aber das hat der Prügelei nicht geschadet.
Da es ein multitemporäres Fest ist, ist es interessant zu sehen,
wie verschiedene Epochen, verschiedene Kampftechniken und Waffen gegeneinander
funktionieren (was diverse historische Siege und Niederlagen von Schlachten
verschiedener Völker verdeutlicht). Die Wikinger verwenden hauptsächlich
Schwert (teilw. Sachs) und Rundschild, sowie Speerträger, die von
Schildträgern geschützt werden. Das Hochmittelalter verwendet
ebenfalls Schwert (teilw. Sachs) und Schild. Das Spätmittelalter
verwendet Halmparten verschiedenster Formen, verschiedene Schwerter
und lange Messer und teilweise auch Buckler (kleine Faustschilde).
Meistens ist es so, daß die Schilde zu einem
Wall zusammengestellt werden und dann, wenn die gegnerischen Schilde
aufeinander prallen, wird mit den Schwertern aufeinander eingeprügelt.
Hier ist der Faktor des disziplinierten und gemeinsamen Vorgehens von
Vorteil. Wenn aber Halmparten einem Schildwall gegenüberstehen,
sieht die Sache schon ein wenig anders aus – vor allem wenn es
Engländer sind. Mit jedem Schritt vorwärts wird der Wall zurückgedrängt
und aufgemacht – am Schild einhaken, anreißen, aufmachen,
und ein anderer Sticht zu. Hier ist geordnetes und diszipliniertes Vorgehen
sehr wichtig. Im Hintergrund gibt es immer eine Art „Sergant“,
der versucht, den Überblick zu wahren.
Im Großen und Ganzen war es ein nettes Fest.
Fürs Wetter kann ja niemand etwas......