Dolche, wie sie in den Fechtbüchern dargestellt wurden,
waren IMMER als ungeschärft zu betrachten, sprich: sie hatten keine geschärfte
Schneide – gefährlich war nur die Spitze! Hatte man es mit geschärften
Waffen zu tun, so sprach man meist von Messern und/oder Dolchmesser. Die Tatsache,
dass Dolche stumpfe Waffen waren, die vornehmlich dazu verwendet wurden, um
durch Plattenteile durchzustoßen, macht auch viele Techniken einleuchtend,
wo man dem Gegner auch auf die Klinge des Dolches greift. Eine Sache, die beim
heute gelehrten Messerkampf undenkbar wäre! Der Querschnitt der Dolche
war meist drei- oder vierkantig, wir sprechen dann vom so genannten Scheibendolch,
der seinen Namen durch die Scheiben am Ende der Klinge und des Griffes hat.
Scheibendolche wurden in der Praxis oftmals mit einem Hohlkehlenschliff versehen,
das machte sie nicht nur leichter, sondern auch zu scharfen Waffen. Tja... Praxis
und Lehrbuch differerieren nicht nur in der heutigen Zeit! :)
Andere Dolchformen waren dann noch der Schweizer- oder Basilliarddolch
und der Nierendolch, der auf Englisch „Bollockdagger“ heißt.
Das beschreibt sehr gut seine Form, denn er sieht aus wie das männliche
Geschlechtsteil und wurde auch genau vor diesem getragen. In der Renaissance
finden wir dann noch den Linkshanddolch, der in Zusammenarbeit mit dem Rapier
die Aufgabe des Schildes übernimmt.
Interessant ist vielleicht noch, was Fiori de Liberi, ein italienischer
Fechtmeister aus dem 15. Jhd. sagte: "Der beste Weg einen Dolchkampf zu
überleben ist, gar nicht erst einen Dolchkampf zu kommen." Das drückt
meiner Meinung nach schon sehr gut die Art und Weise aus, wie man mit dem Dolch
gekämpft hat. Er gilt, so wie heute auch der Messerkampf, als absoluter
"Dirt-Fight".